Es sind sieben Professoren aus Göttingen – die Göttinger Sieben – die 1837 gegen den damaligen König Ernst-August I. protestieren. Die Professoren fordern stellvertretend für die Menschen im Königreich Hannover die Verfassung zurück. Doch der konservative König lässt das nicht zu.

Als der konservative König Karl X. rund 75 Prozent der Menschen in Frankreich ihre Wahlberechtigung nimmt und eine Pressezensur einführt, durch die er die öffentliche Meinung kontrolliert, dauert es zwei Tage, bis die Menschen in Frankreich ihren König aus dem Amt jagen, sodass Karl X. nach England fliehen muss. Diese Julirevolution zieht überall in Europa Kreise – auch im Königreich Hannover.

1833: moderne Verfassung im Königreich Hannover

In Hannover regiert der englische König Wilhelm IV. in mehreren Ämtern. Er verkündet 1833 das sogenannte Staatsgrundgesetz und gibt dem Königreich Hannover damit eine moderne Verfassung. Bürgerinnen und Bauern haben jetzt Zugang zur zweiten Kammer, die Minister stehen gegenüber dem Parlament in direkter Verantwortung, das Grundgesetz zieht eine Steuerreform nach sich und die Städte des Königreichs bekommen mehr Selbstverwaltung.

1837: Ernst-August I. kommt auf den Thron

Die Ruhe hält aber nur vier Jahre an: Wilhelm IV. stirbt 1837 und Ernst-August I. folgt ihm auf dem Thron. Er ist das krasse Gegenteil seines Vorgängers: konservativ durch und durch, ein Anhänger des "Gottesgnadentums", das dem König die Macht verleiht und ein deutlicher Gegner aller liberalen Strömungen. Ein Federstrich später streicht Ernst-August das liberale Staatsgrundgesetz.

1837: Protest gegen den König

Zu dem Zeitpunkt lassen sich die liberalen Strömungen des sogenannten Vormärz aber nicht mehr zurückdrängen. Der Vormärz bezeichnet die Zeitspanne zwischen dem Wiener Kongress 1815 und dem Beginn der deutschen Revolution im März 1848.

Wie stark die liberalen Strömungen sind, zeigt sich im Protest von sieben Göttinger Professoren. Sie treten dem König entgegen und schreiben in einer viel beachteten Petition, sie seien dazu verpflichtet, das alte Grundgesetz zu verteidigen. Sie fordern öffentlich, der König möge seine Entscheidung zurücknehmen und den Hannoveranern ihre liberale Verfassung lassen. Aber Ernst-August I. bleibt stur, entlässt die Professoren aus dem Staatsdienst und verweist einige von ihnen des Landes.

Ihr hört außerdem in Eine Stunde History:

  • Soziologe Tilman Mayer charakterisiert einen der führenden Köpfe der Göttinger Sieben: den Liberalen Christoph Dahlmann.
  • Jörg Lampe ist Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen und erläutert die Bedeutung des Protestes der Göttinger Sieben.
  • Historiker Ewald Grothe erklärt, warum die Göttinger Sieben für die deutsche Verfassungsgeschichte von Bedeutung sind.
  • Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld schildert den Zusammenhang zwischen dem britischen Königshaus und dem Königreich Hannover.
  • Deutschlandfunk-Nova-Reporter Felix Schledde schildert den Übergang von der alten zur neuen Verfassung 1837.

Unser Bild zeigt die Göttinger Sieben (links und mitte) und ein Porträt von Ernst-August I. in jungen Jahren (rechts).

In diesem Beitrag enthaltene Kapitel:
  • Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld
  • Deutschlanfunk-Nova-Reporter Felix Schledde
  • Soziologe Tilman Mayer
  • Jörg Lampe von der Akademie der Wissenschaften
  • Historiker Ewald Grothe