Werdet Lehrer – dann könnt ihr faulenzen! Ein Vorurteil gegen das Lehrerinnen und Lehrer immer wieder ankämpfen müssen. Jetzt verlieren sie auch noch an Respekt. Denn eine Umfrage zeigt: Ihr Ansehen in der Gesellschaft wird immer weniger.

Franziska hat Sonderpädagogik und Deutsch auf Lehramt studiert. Heute arbeite sie als Lehrerin an einer Oberschule in Berlin. Ihre Berufswahl bereut sie nicht. Ganz im Gegenteil: Sie brennt für ihre Arbeit – aber nicht, weil sie als Lehrerin sechs Wochen Sommerferien hat, sagt sie, sondern weil es ein sozialer, kommunikativer und kreativer Beruf ist.

"Ich bin Lehrerin geworden, weil ich gerne mit jungen Menschen zusammenarbeite, mir gerne neue Sachen ausdenke und ich immer wieder neue Herausforderungen suche."
Franziska

Weniger Respekt gegenüber Lehrenden

Doch Lehrerinnen haben es heutzutage nicht leicht: Einer Studie zufolge sinkt der Respekt vor der Berufsgruppe immer weiter. Die gängigsten Klischees über Lehrer kennt jeder: Sie sind faul, arbeiten nur wenige Stunden, haben ständig Ferien und sind Besserwisser. Franziska hat es lange Zeit verletzt, wenn sie mit solchen Vorurteilen konfrontiert wurde.

"Ich nehme meinen Beruf sehr ernst. Ich arbeite und bereite viel vor. Da ist es nicht schön zu hören, man wäre eigentlich fauler als alle anderen."
Franziska

Heute ist sie selbstsicherer und steht über den Vorurteilen. Denn sie weiß, wie ihr Berufsalltag aussieht: Unterricht, Konferenzen, Korrekturen am Abend, Unterricht vorbereiten am Nachmittag und am Wochenende, Klassenfahrten mehrmals pro Schuljahr. Viel Freizeit bleibt da nicht übrig.

Wertschätzung für ein solches Arbeitspensum bekommen Lehrerinnen und Lehrer für ihre Arbeit nicht. Ganz im Gegenteil: Nur jeder Fünfte würde hierzulande seinem Kind empfehlen, Lehrerin zu werden. In Indien ist es jeder Zweite.

Der Fluch der selbsternannten Berufsexperten

Das schlechte Image der Lehrer rühre daher, dass jeder Mensch irgendwann mal in seinem Leben Schüler oder Schülerin war, vermutet Franziska. "Jeder Mensch meint den Lehrerberuf in- und auswendig zu kennen", sagt sie, und genau deshalb glauben viele Laien, Experten für den Lehrerberuf zu sein.

"Man kann sich immer an die besonders guten oder schlechten Lehrer erinnern. Deswegen meint jeder, dass er Experte für meinen Beruf ist."
Franziska