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Er saß bereits ein Jahr ohne Verfahren in der Türkei in Haft. Jetzt ist der deutsche Journalist in Abwesenheit verurteilt worden. Das Urteil und die Reaktionen zeigen: Der Fall Deniz Yücel bleibt ein Politikum.

Zu zwei Jahren, neun Monaten und 22 Tagen Haft hat ein türkisches Gericht heute (16.07.2020) den deutschen "Welt"-Journalisten Deniz Yücel in Abwesenheit verurteilt. Zwar haben ihn die Richter von einigen Vorwürfen wie der Volksverhetzung freigesprochen, gleichzeitig haben sie aber zwei Verfahren angeordnet – wegen Beleidigung des Staatspräsidenten und wegen Verunglimpfung des Staates und seiner Organe.

Urteil in Istanbul: Zwei Jahre und neun Monate Haft für Deniz Yücel

Der Fall Yücel bekam bereits vor zwei Jahren internationale Beachtung. Ein Jahr musste Deniz Yücel bereits in türkischer Haft ausharren – davon neun Monate in Isolation. Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan bezeichnete den Journalisten als Agenten und Terroristen. Das türkische Verfassungsgericht hatte die Haft in der Zwischenzeit jedoch für unzulässig erklärt.

Deniz Yücel hat bereits auf das Urteil reagiert und kritisierte dabei die Türkei wegen mangelnder Rechtsstaatlichkeit:

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Die Organisation Reporter ohne Grenzen kritisiert das Urteil als willkürlich und politisch motiviert:

"Deniz Yücel ist unschuldig und hat nur seine Arbeit als Journalist gemacht. Dass die türkische Justiz an dem absurden Vorwurf der Terrorpropaganda festhält und Yücel zu fast drei Jahren Haft verurteilt, zeigt, wie politisiert und willkürlich diese ist."
Christian Mihr, Reporter ohne Grenzen Deutschland

Was sagt das Urteil über die Pressefreiheit in der Türkei aus? Daniel Fiene und Herr Pähler blicken auf die Reaktionen rund um das Urteil.

Sorge um Pressefreiheit in Polen

Und noch ein weiterer Journalist der "Welt" ist wegen seiner Berichterstattung in das Visier eines Staatschefs geraten: Kurz vor der polnischen Präsidentenwahl hat Amtsinhaber Andrzej Duda den Warschau-Korrespondenten Philipp Fritz für seine Berichterstattung kritisiert. Beobachter sprechen von einer ungewöhnlich direkten Attacke. Auch in anderen Fällen warf die polnische Regierung deutschen Medien "manipulative" Berichterstattung vor und bestellte einen ranghohen Diplomaten ein.

Mittlerweile hat der rechtskonservative Duda die Wahl gewonnen. Es werden Befürchtungen lauter, die Pressefreiheit in Polen könnte in den kommenden Jahren stärker leiden. Agnieszka Łada ist die stellvertretende Direktorin des Deutschen Polen-Instituts und ordnet den neuen Druck auf die Pressefreiheit in Polen für uns ein.

Eine Stunde Was mit Medien gibt es auch als Podcast. Abonniert die Sendung via iTunes oder RSS-Feed. Auch nach der Sendung könnt ihr mit uns direkt und mit unseren Moderatoren Daniel Fiene und Herr Pähler über Twitter kommunizieren. Ein Protokoll der Sendung gibt es auch per Newsletter.