FPÖ-Kandidat Norbert Hofer wird die Wahl nicht anfechten. Aber Vorwürfe der Manipulation und Wahlfälschung werden trotzdem laut - natürlich im guten alten Netz, das sich für die Verbreitung von Verschwörungstheorien eignet wie sonst kaum etwas.

Mit gut 31.000 Stimmen Vorsprung ist die Bundespräsidentenwahl in Österreich am Ende doch deutlicher ausgefallen als viele noch am Montag erwartet haben. Noch einmal auszählen lassen will der unterlegene FPÖ-Kandidat Norbert Hofer nicht. Aber manche seiner Anhänger wittern Betrug. Ein abgekartetes Spiel sei die Wahl gewesen, behaupten sie.

Norbert Hofer selbst hat das Ganze initiiert. Am Wahlabend behauptete er, dass bei "Wahlkarten (Briefwahl) immer ein bisschen eigenartig ausgezählt wird". FPÖ-Parteichef Strache lieferte noch in der Nacht auf Montag neues Material.

Im Bundesinnenministerium würden "sehr fragwürdige Dinge passieren". Er meinte damit ein vermeintliches Endergebnis (inklusive Briefwahlstimmen), das vom Ministerium veröffentlicht worden war. Zu dem Zeitpunkt hatte sich das Ministerium aber bereits entschuldigt, dass es versehentlich ein Ergebnis mit unrealistischen Testzahlen kurzzeitig veröffentlicht hatte.

Das Online-Magazin Vice hat eine schöne Aufstellung gemacht, es hat eine kleine Auswahl an Tweets von Hofer-Anhängern gesammelt. Von Wahl-Farce ist da die Rede, "manipuliert wie in Nordkorea". Ein anderer User ist angeblich schon seit Jahren skeptisch: "Das ist doch die volle Wahlmanipulation. Das beobachte ich schon seit Jahren."

Auf Twitter machte ein Facebook-Eintrag die Runde, in dem die Userin berichtet, dass sie aus sicherer Quelle wisse, dass "die Rot/Grün/Schwarz-Versifften Hightech-Bleistifte verwenden, die bei Hofer X nach 27 Minuten unsichtbar werden".

Dazu müssen wir wohl nichts weiter sagen, aber das Thema Bleistifte beunruhigt mehrere User: "Da kann man einfach ausradieren und mit einem Kuli bei der Auszählung anders ankreuzen." Man kann diese Wähler aber beruhigen: Jeder darf seinen eigenen Stift mit ins Wahllokal bringen. Fairerweise muss allerdings gesagt werden, dass der Unmut über Bleistifte kein Alleinstellungsmerkmal von FPÖ-Wählern ist. Auf einer seriösen deutschen Wahlrechtsplattform im Netz wurde schon 2005 bei der Bundestagswahl über die Verwendung von Bleistiften gestritten.

Auf Twitter oder Facebook sind uns keine Vorwürfe bekannt, dass zugunsten von Hofer manipuliert wurde.

"Anders als den FPÖ-Anhängern fehlt es den Anhängern des neuen Bundespräsidenten nicht an grundsätzlichem Vertrauen ins politische System. Die Populisten dagegen leben vom Misstrauen oder gar der Ablehnung der herrschenden Strukturen. Und deshalb werden solche Verschwörungen natürlich auch von der FPÖ-Spitze befeuert."
Andreas Noll, DRadio Wissen