Der Bundestag hat mit deutlicher Mehrheit für die Entscheidungslösung bei Organspenden gestimmt und sich gegen die von Gesundheitsminister Spahn vorgeschlagene Widerspruchslösung entschieden.

Die Situation bei Organspenden bisher ist: Spenden kann nur, wer einen Organspendeausweis bei sich trägt. Die Bereitschaft zu spenden ist in der Bevölkerung groß: "84 Prozent der Bevölkerung würden im Fall der Fälle ein Organ spenden", so Volker Finthammer aus dem DLF-Hauptstadtstudio . Doch nur 36 Prozent der Menschen tragen einen Spenderausweis bei sich.

Vereinfachung des Verfahrens

Auch die Entscheidungslösung sieht vor, dass eine Organentnahme nur möglich ist, wenn der Spender zu Lebzeiten ausdrücklich zugestimmt hat. Doch soll vor allem das Verfahren vereinfacht werden. Ziel sei es, ein bundesweites zentrales Online-Register einzuführen, dass auch von den Transplantationszentren abgerufen werden könne. Hier würden alle Personen registriert, die sich freiwillig für eine Organspende entschieden hätten.

"Die Versuche, Menschen für die Organspenden zu gewinnen, sollen kontinuierlich verbessert werden, um mehr Menschen zu überzeugen, dass das ein wichtiges und notwendiges Gut ist."
Volker Finthammer, DLF-Haupstadtstudio

Die Gesetzesänderung soll dazu führen, dass mehr Menschen Organe spenden. Die Bereitschaft in der Bevölkerung soll zum Beispiel über Beratungsgespräche bei Ärzten abgefragt werden oder auch beim Bürgeramt, wenn wir einen neuen Personalausweis benötigen.

Externer Inhalt

Hier geht es zu einem externen Inhalt eines Anbieters wie Twitter, Facebook, Instagram o.ä. Wenn Ihr diesen Inhalt ladet, werden personenbezogene Daten an diese Plattform und eventuell weitere Dritte übertragen. Mehr Informationen findet Ihr in unseren  Datenschutzbestimmungen.

Ein Jahr lang ist über die Organspende debattiert worden. Vor der Entscheidung am 16. Januar haben 23 Redner quer durch die Fraktionen je fünf Minuten Rederecht bekommen. In jeder Fraktion hat es die unterschiedlichsten Ansichten gegeben. Die Abgeordneten haben frei vom Fraktionszwang abgestimmt, wie es bei moralischen Entscheidungen im Bundestag üblich ist.

Externer Inhalt

Hier geht es zu einem externen Inhalt eines Anbieters wie Twitter, Facebook, Instagram o.ä. Wenn Ihr diesen Inhalt ladet, werden personenbezogene Daten an diese Plattform und eventuell weitere Dritte übertragen. Mehr Informationen findet Ihr in unseren  Datenschutzbestimmungen.

Dass die Entscheidung gegen die Widerspruchslösung von Jens Spahn gefallen ist, hat wahrscheinlich an dem Zweifel vieler Abgeordneter gelegen. Sie befürchten, dass dabei das Selbstbestimmungsrecht zu stark infrage gestellt würde.

379 von 674 Abgeordneten haben sich gegen die von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und Gesundheitsexperten Karl Lauterbach (SPD) geforderte doppelte Widerspruchslösung ausgesprochen. Danach sollte künftig jede Bürgerin und jeder Bürger als potenzieller Spender gelten - außer man widerspricht.

"Viele hatten Zweifel, dass mit der Widerspruchslösung das Selbstbestimmungsrecht jedes Einzelnen zu stark infrage gestellt wird."
Volker Finthammer, DLF-Haupstadtstudio

Jehns Spahn hat nach der Abstimmung getwittert, dass er sich hinter die Entscheidungslösung stellt, die 2021 eingeführt werden soll. Volker Finthammer hält es aber für möglich, das die Widerspruchslösung in der kommenden Legislaturperiode nochmals auf den Tisch kommen könnte - und zwar dann, wenn sich keine deutlichen Verbesserungen durch die Entscheidungslösung feststellen lassen.

Externer Inhalt

Hier geht es zu einem externen Inhalt eines Anbieters wie Twitter, Facebook, Instagram o.ä. Wenn Ihr diesen Inhalt ladet, werden personenbezogene Daten an diese Plattform und eventuell weitere Dritte übertragen. Mehr Informationen findet Ihr in unseren  Datenschutzbestimmungen.