Nein, ein Erdbeben hat es beim Auftritt von Florence and the Machine nicht gegeben. Was da auf dem Tempelhofer Feld los gewesen ist, erklärt der Geophysiker Marco Bohnhoff.

Tut eure Handys weg und hüpft so wild ihr könnt, das soll Florence Welch gerufen haben. Und das haben die rund 30.000 Leute auf dem Tempelhofer Feld dann während des Songs "Dog Days are Over" auch getan. Die Band hat das auf Twitter dokumentiert:

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Die Besucherinnen und Besucher sind so ordentlich gehüpft, dass die Erde gewackelt hat. Ein Erdbeben ist das allerdings nicht gewesen, korrigiert Marco Bohnhoff, Geophysiker am Geoforschungszentrum Potsdam. Wenn Menschen hüpfen, ist das eine Erschütterung. Das sei in etwas so, als fahre eine U-Bahn vorbei.

"Menschen können an der Oberfläche kein Erdbeben auslösen."
Marco Bohnhoff, Geophysiker, Geoforschungszentrum Potsdam

Der Geophysiker vom Geoforschungszentrum Potsdam erklärt genauer: Durch schlagartiges Einbringen von Energie breiten sich plastische Wellen aus. Die lassen sich dann mit Seismographen aufzeichnen. Marco Bohnhoff sagt: Wenn wir gewusst hätten, dass tausende Menschen gleichzeitig loshüpfen, hätten wir Seismographen aufgestellt.

Energie für den Untergrund

Menschen könnten Erschütterung durchaus bemerken: "Wenn die stark genug sind, können sie an der Oberfläche auch gespürt werden." Im Wesentlichen gehe es um Energie, die in den Untergrund eingebracht wird.

"Das kann man sich vorstellen, wie wenn man einen Stein ins Wasser fallen lässt. Dann entstehen Wellen, die sich ausbreiten. Genauso ist es auch hier."
Marco Bohnhoff, Geophysiker, Geoforschungszentrum Potsdam

Nachträglich lasse sich das nun leider nicht mehr messen. Hobbyseismografen haben eine Magnitude von 1,4 ermitteln. Das liege unter der Wahrnehmungsgrenze.

Keine Erdbeben in Berlin

Was natürliche Erdbeben angeht, weist der Geopghysiker darauf hin, dass sich Berlin weit entfernt von allen tektonischen Plattengrenzen befindet. Ein wirkliches Erdbeben sei in der Stadt grundsätzlich nicht zu erwarten. Sprengungen und Explosionen könnten am ehesten noch Erderschütterungen in Berlin auslösen.

Eventuell könne vom Kupferbergbau im benachbarten Polen her eine Bewegung in den oberen Etagen von Wohnhäusern spürbar sein. Ansonsten gebe es grundsätzlich keine seismischen Schwingungen in der Hauptstadt.

"Wir sind auf einem zehn Kilometer dicken Sedimentpudding. Da gibt es keine Erdbeben. Es kann Erschütterungen geben."
Marco Bohnhoff, Geoforschungszentrum Potsdam, über die tektonische Situation in Berlin