• Abonnieren
  • Spotify
  • iTunes
  • Google

Bei Waffen denken wir zuerst an Kriege, Auseinandersetzungen und Kämpfe. Es gibt aber auch eine andere These: Waffen können Frieden und Stabilität bringen, wenn sie eine abschreckende Wirkung haben. Wir sprechen darüber mit dem Friedensforscher Michael Brzoska.

361 Milliarden US-Dollar sollen im Jahr 2019 für Waffen und Rüstungsgüter ausgegeben worden sein. Die Zahl hat das Friedensforschungsinstitut Sipri jetzt veröffentlicht. Eine Erklärung für die derzeitigen hohen Rüstungsausgaben sieht Michael Broszak, Friedensforscher an der Universität Hamburg, darin, dass sich die großen Player gegenseitig hochschaukeln. Nach dem Motto: Wenn die anderen das haben, dann brauchen wir das auch.

Manchmal habe so ein Wettrüsten tatsächlich eine abschreckende Wirkung, sagt Michael Brzoska. "Wir haben in der Vergangenheit immer wieder gesehen, dass besonders aggressive Staaten davon abgehalten wurden, andere Staaten anzugreifen, wenn ihre Chancen auf Erfolg sehr gering waren", sagt der Friedensforscher. Dieser Fall sei allerdings eher selten. Umgekehrt gebe es Staaten, die – durch eine starke Bewaffnung – ihre Aggressivität steigern.

Das Gleichgewicht des Schreckens im Kalten Krieg

Während des Kalten Krieges zwischen den USA und der damaligen Sowjetunion habe die Aufrüstung, vor allem die großen Mengen an Atomwaffen, etwa dazu beigetragen, dass es nicht zur direkten Konfrontation gekommen sei, sagt Michael Brzoska. Er gibt jedoch zu bedenken, dass die Waffenarsenale auf beiden Seiten so riesig waren, dass der Einsatz dieser Waffen gravierende Folgen für weite Teile der Welt gehabt hätte.

"Es gehört zur Wahrheit: Wenn es doch zu einem Konflikt gekommen wäre, hätte dieser verheerende Folgen gehabt. Möglicherweise bis hin zur Auslöschung der Menschheit."
Michael Brzoska, Universität Hamburg

Die USA, Russland und China sind die größten Akteure im weltweiten Rüstungsgeschäft. Dabei unterscheidet Michael Brzoska zwischen China einerseits und Russland und den USA andererseits. China rüste auf, um vor möglichen Angriffen – etwa vonseiten der USA – abzuschrecken. Eigene Interessen, militärische Aktionen auszuführen, gebe es eher nicht.

Auch zwischen Russland und den USA bestehe derzeit keine Gefahr eines Krieges. Allerdings würden sich alle drei Mächte in Konflikte einmischen, die sich etwa zwischen Staaten in Afrika oder im Nahen Osten abspielten. "Es besteht die Gefahr, wenn die drei Großen weiter aufrüsten, dass wir möglicherweise wirklich wieder eine Kriegsgefahr haben – auch für Kriege zwischen den großen Mächten," so Michael Brzoska.

Eigene Waffenindustrie wirkt sich auf militärische Aktivität aus

Russland gelte als Beispiel dafür, wie sich eine eigene Waffenindustrie auf militärische Aktivitäten auswirken kann. Michael Brzoska erklärt, dass Russland in den 90er Jahren, nach dem Zerfall der Sowjetunion, schwach gewesen sei und sich kaum militärisch engagiert habe. "Als Russland zuletzt – aufgrund einer größeren Waffenindustrie – mehr militärische Kapazitäten hatte, haben wir auch mehr militärische Aktivität gesehen, in der Region, in der Ukraine oder auch in Syrien oder Libyen", sagt der Friedensforscher.