Wo die russische Armee offiziell keinen Krieg führen möchte, kommen Söldner eines privaten Sicherheits- und Militärunternehmens zum Einsatz. Sie sollen in Libyen, Syrien, der Ostukraine und der Zentralafrikanischen Republik im Einsatz gewesen sein.

Kämpfen russische Söldner in Libyen? Wenn es nach dem russischen Präsidenten Wladimir Putin geht, ist die Sache klar: Wenn in dem nordafrikanischen Land russische Staatsbürger geben sollte, verträten sie auf keinen Fall die Interessen Russlands - und sie würden von Russland auch kein Geld erhalten.

Jetzt ist allerdings ein vertraulicher Bericht der Vereinten Nationen aufgetaucht, aus dem BBC News zitiert, der zu einem ganz anderen Schluss kommt: Um die Tausend russische Söldner sollen demnach in Libyen aktiv sein - unter anderem als Scharfschützen. Sie sollen er sogenannten Gruppe Wagner angehören.

Auch in Syrien der Ostukraine und der Zentralafrikanischen Republik soll die Gruppe schon gekämpft haben. Alles Länder, in den Russland Interessen anmeldet.

Offizielles Verbot von Privatarmeen

Der Kreml bestreitet eine direkte Verwicklung in den libyschen Bürgerkrieg. Nach russischem Recht sind Privatarmeen und Söldnertum verboten, berichtet unsere Korrespondentin Christina Nagel. Privatunternehmen sind allerdings vollkommen frei in ihrem Handeln und dürfen auch Geschäfte in Libyen machen - wenn auch auf eigenes Risiko.

Von daher kann die russische Regierung abstreiten, Soldaten oder Söldner in Konfliktgebieten einzusetzen. Wenn dann die Gruppe Wagner in den Blick gerät, wird daher ganz bewusst von einem Sicherheitsunternehmen gesprochen.

"Wenn man von Wagner spricht, dann spricht man hier immer ganz bewusst von einem Sicherheitsunternehmen."
Christina Nagel, Korrespondentin für Russland

Eigentümer der Wagner-Gruppe soll Jewgeni Prigoschin sein. Der Geschäftsmann steht in engem Kontakt zu Wladimir Putin und zum russischen Militär. Auch mit Propagandaaktivitäten wird Jewgeni Prigoschin in Zusammenhang gebracht: Stichwort Troll-Armeen in Sankt Petersburg.

US-Geheimdienstinformationen zu Folge hat 2018 Prigoschin Aktivitäten russischer Söldner in Syrien koordiniert. Dokumentiert ist außerdem ein Treffen mit Milizenführers Chalifa Haftar in Libyen.

"Es gibt eben auch Bilder, die Jewgeni Prigoschin mit dem Verteidigungsminister Russlands bei Haftar in Libyen zeigen"
Christina Nagel, Korrespondentin für Russland

Viele der Söldner seien ehemalige Angehörige der Armee. Das höhere Einkommen mache die Arbeit für die Soldaten attraktiver. Für ihre Ausbildung könnten sie Trainings- und Übungsgelände des russischen Auslandsgeheimdienstes GRU nutzen, berichtet Christina Nagel.

Die intensive Zusammenarbeit von GRU und der Wagner-Gruppe zeigt sich auch bei der Ausstattung mit Ausweisen und Visa, die für die Reise in Kriegsgebiete nötig sind.

Regieren mit KGB-Methoden

Ein von Russland unterstütztes privates Militärunternehmen würde jedenfalls auch vor dem Hintergrund nicht verwundern, dass Wladimir Putin in Russland ein System etabliert hat, das ohne Gewaltenteilung, ohne Opposition und ohne freie Presse auskommt, sagt Thielko Grieß, Deutschlandradio-Korrespondent für Russland .

Thielko Grieß, Deutschlandfunk-Korrespondent für Russland
"Das ist eigentlich ein zaristisches, quasi-monarchisches System. Es wird auch mit KGB-Methoden mit zum Teil sowjetischen Methoden regiert."