Zehn Jahre nach der "Bürgerrevolution" steht Ecuador am Scheideweg: Der Kandidat der Regierungspartei "Alianza Pais", Lenin Moreno, will das Erbe des scheidenden Präsidenten Rafael Correa fortführen. Doch die konservativen Kräfte im Land sind stärker geworden.

Rafael Correas Image als Held des südamerikanischen Lands hat Risse: Dem seit 2007 amtierenden Präsidenten gelang zwar die Armut von 37 Prozent in 2007 auf 22 Prozent in 2014 zu drücken und den Zugang zu Bildung und Gesundheitswesen stark zu verbessern. Zweimal - 2009 und 2013 - holte er bei Wahlen die absolute Mehrheit. Doch jetzt erreichen auch ihn Korruptionsvorwürfe im Zusammenhang mit dem brasilianischen Bauunternehmen Odebrecht und die Wirtschaft ist seit dem sinkenden Erdölpreis und dem Erdbeben 2016 stark unter Druck geraten. Eine Wiederwahl schien für den 53-jährigen Wirtschaftswissenschaftler unsicher.

"Das Land ist sehr gespalten: Die einen lieben Correa, die anderen hassen Correa und damit auch seinen Nachfolger."
Ivo Marusczyk, ARD-Korrespondent

Deshalb hat die Regierungspartei den früheren Vizepräsident Lenin Moreno ins Rennen geschickt. Weil die konservativen Kräfte in Ecuador zerstritten sind, könnte er mit 40 Prozent der Wählerstimmen das Amt im ersten Wahlgang holen. Gelingt dies nicht und die Konservativen bündeln ihre Kräfte, stünden seine Chancen erheblich schlechter.

"Das ist die entscheidende Frage, wo es in ganz Südamerika darum geht: Macht man weiter mit neoliberaler Politik, wie es sich in einigen Ländern abzeichnet, oder macht man weiter mit ganz linker Politik wie in Bolivien oder Venezuela. Der Mittelweg, das ist das Problem in Südamerika, der funktioniert nicht so richtig."
Ivo Marusczyk, ARD-Korrespondent

Lenin Moreno steht für den "Sozialismus des 21. Jahrhunderts" wie ihn Rafael Correa geprägt hat, sagt der Südamerika-Korrespondent Ivo Marusczyk. So links wie Kuba oder Venezuela sei Ecuador aber nicht, sagt Ivo. In dem Land wird mit dem Dollar bezahlt und die Regierung hat ein Handelsabkommen mit der EU geschlossen.

Die Gegenkandidaten

Der liberal-konservative Bankier Guillermo Lasso hat bei Umfragen 22 Prozent Zustimmung erhalten. Die Christdemokratin Cinthia Viteri kam auf 20 Prozent. Beide Kandidaten stehen für eine neoliberale Politik und wollen Steuern massiv senken und die staatliche Regulierung abbauen. Der Sozialdemokrat Paco Moncayo hat die geringsten Aussichten. Er ist bereits Abgeordneter, war Bürgermeister der ecuadorianischen Hauptstadt Quito und ist ein Ex-Militär.

13 Millionen Ecuadorianerinnen und Ecuadorianer sind berechtigt, am 19. Februar 2017 ihre Stimme abzugeben. Gleichzeitig werden die Abgeordneten für das Andenparlament gewählt, und über ein von Rafael Correa initiiertes Referendum zur Bekämpfung von Steueroasen abgestimmt.

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