Der Klimawandel setzt Fichte und Co. ordentlich zu. Zur Dürre kommt nun noch der Borkenkäfer. Im vergangenen Jahr sollen über 100.000 Hektar Wald verloren gegangen sein. "Es werden riesige Freiflächen entstehen", sagt Forstwirt Dietrich Nesselrode.

Dass der Wald in keinem guten Zustand ist, weiß auch Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU). Sie hat sich am heutigen Donnerstag (29.08.) mit Waldbesitzern, Naturschützern und den zuständigen Behörden getroffen, um darüber zu beraten, was zu tun ist.

Dietrich Nesselrode ist seit 30 Jahren Waldbesitzer und Forstwirt. In Mechernich (Eifel) bewirtschaftet er rund 500 Hektar Wald. Und er ist sehr bedrückt vom Klimawandel. Denn viele Bäume halten der Hitze und Trockenheit nicht mehr stand: Die Fichte falle komplett aus, sagt er. "Aber auch andere Bäume leiden - insbesondere die Buche."

"Wir sehen die Folgen des Klimawandels tagtäglich"
Dietrich Nesselrode, Waldbesitzer und Forstwirt

Es macht ihm Sorgen, dass er nicht weiß, was die Zukunft bringt: "Wir wissen ja überhaupt nicht, ob es so weiter geht. Ob die beiden nächsten Sommer so heftig werden, wie die beiden vorangegangenen." Im Grunde könne er derzeit als Forstwirt zwar reagieren - doch was passiert, das bestimmt die Natur, sagt er.

"Im Grunde genommen ist uns das Gesetz des Handelns im Wald vollkommen aus der Hand genommen worden."
Dietrich Nesselrode, Waldbesitzer und Forstwirt

In den letzten 30 Jahren habe er immer darauf geachtet, dass in seinem Wald die Mischung stimmt: Rund 50 Prozent seiner Bäume sind Laubbäume. Denn ein Mischwald sei stabiler als Monokulturen, wie sie zum Beispiel noch in den 50er Jahren angelegt wurden. Heute wisse man das - damals ging es eher darum, den Wald nach dem Krieg wieder rasch aufzuforsten. "Man kann es den Waldbauern nicht vorwerfen, dass das so gekommen ist."

"Was uns über die Zukunft vielleicht retten kann, ist eine große Baumarten-Mischung"
Dietrich Nesselrode, Waldbesitzer und Forstwirt

Das Land Nordrhein-Westfalen unterstützt die Waldbauern dabei, die richtige Mischung für ihre Wälder zu finden - mit einem sogenannten "Waldbaukonzept" (PDF). Auch andere Bundesländer haben solche Konzepte erarbeitet. Denn wie bei einem Wertpapier-Depot, sei es schlecht, nur auf einen einzigen Wert zu setzen. "Die Mischung macht's", sagt Forstwirt Dietrich Nesselrode. Das gelte auch für Wälder.

In seinem Wald pflanzt er beispielsweise auch nicht heimische Bäume wie die Roteiche, die Küstentanne oder Douglasie an. Oder auch Edelkastanien, die er für relativ stabil hält.

Amerikanische und heimische Bäume

Dietrich Nesselrode sagt, dass sich Wald unter idealen Umständen selbst vermehre. Doch nach solchen Sommern, wie wir sie 2018 und 2019 hatten – mit einer zusätzlichen Borkenkäfer-Epidemie – werde das schwierig.

Die Politik müsse zur Kenntnis nehmen, dass riesige Freiflächen entstehen werden. Die müssten wieder aufgeforstet werden. "Das kostet viel Geld."