Dem Wald geht es schlecht – so schlecht, wie seit Jahrzehnten nicht.
Dürre, Hitze und Schädlinge machen ihm zu schaffen. Damit er bestehen kann, muss er umgestaltet werden: Neue Baumarten müssen die alten ersetzen und ergänzen.

Der aktuelle Waldzustandsbericht sagt: Nur jeder fünfte Baum ist hierzulande noch gesund. Das ist weniger als je zuvor. Besonders Fichten und Buchen leiden – zwei Baumarten, die in Deutschland besonders häufig vorkommen.

"Das sind für viele Teile von Deutschland jetzt der schlechteste Wert seit Beginn der Aufzeichnung."
Benjamin Tüxen, Forstwissenschaftler

"Wir haben einen hohen Anteil fast abgestorbener Bäume", sagt Forstwissenschaftler Benjamin Tüxen zum derzeitigen Zustand des Waldes. Nur noch wenige Bäume seinen "tip top super mega vital". In vielen Teilen Deutschlands stehe es um den Wald schlechter als in den Jahrzehnten zuvor.

Der Wald muss sich wandeln

Weil das so ist, will das Bundesumweltministerium den Umbau der Wälder
fördern – mit neuen Baumarten soll der Wald widerstandsfähiger gemacht
werden und so besser mit dem Klimawandel klarkommen.

"Was man jetzt machen müsste, ist, die noch gesunden Waldbestände versuchen ein bisschen klimabeständiger zu bekommen."
Benjamin Tüxen, Forstwissenschaftler

Unter Nadelbestände pflanzt man derzeit häufig Laubbäume, meist Buchen, erzählt Benjamin Tüxen. Die jungen Laubbäume sollen dann die nächste Waldgeneration bilden. So hätte man zunächst einmal wenigstens "das Problem der reinen Nadelwälder gelöst". Denn unsere Nadelwälder kommen mit der Trockenheit besonders schlecht zurecht.

Junge Tannen gut pflegen

Bestehende Jungtannen müssten besonders gut gepflegt werden, damit sie gut wachsen, sagt der Forstwirt. Dazu gehört auch, dass ihr Stamm geschützt wird, denn junge Tannen schmecken besonders gut und werden daher gern von Rehen und anderen Tieren angefressen.

"Einfach warten, bis sich das wieder entwickelt, kann man machen. Aber dann kommt halt die Baumart, die da vorher stand. Und das sind in den meisten Fällen Fichten oder Kiefern – beide sind nicht besonders klimastabil."
Benjamin Tüxen, Forstwissenschaftler

In Deutschland ist durch die Trockenheit der vergangenen Jahre – und durch Schädlinge wie den Borkenkäfer – eine Fläche in etwa so groß wie das Saarland abgestorben, sagt Benjamin Tüxen. "Da ist der Wald soweit ausgefallen, dass kein richtiges Waldklima mehr herrscht."

Das Problem mit den kahlen Flächen

Diese Flächen wieder neu aufzuforsten, ist nicht ganz einfach, so der Forstwirt. In der Forschung sei man sich über das richtige Vorgehen noch nicht ganz einig. Denn: "Auf einer Kahlfläche kann man schlecht einfach irgendwas hinpflanzen." Wenn die schützenden Baumkronen fehlen, kann die Sonne im Sommer ungehindert stark auf die Jungpflanzen scheinen. Und im Winter wird es in Bodennähe frostig.

"Baumkronen funktionieren so bisschen wie eine Bettdecke - wenn die nicht mehr da sind, wird es am Boden sehr kalt."
Benjamin Tüxen, Forstwissenschaftler

Zur Aufforstung braucht man also Arten, die frosthart sind. Eiche und Fichte wären solche Bäume, doch die halten Trockenheit schlecht aus. "Da kommt nicht mehr viel in Frage", sagt Benjamin Tüxen. Vor allem, weil die Waldbauern mit ihrem Holz ja auch verdienen wollen, sprich: Es soll gutes Bauholz sein.

Mischwald schlägt Monokultur

Einig ist man sich wohl darüber, dass reine Monokulturen keine gute Option sind. Mischwälder scheinen beständiger. Darum müsse man die Vielfalt im Wald unterstützen und Bäume pflanzen, die diese fördern – Roteiche, Hybridnuss, Kirsche oder Douglasie beispielsweise.

Ein Baum, der außerdem überall wächst, sei die Birke, sagt Benjamin Tüxen. Doch die bringe den Waldbauern nicht so viel Geld, weil die Holzqualität schlechter ist als bei Fichte oder Douglasie.