Der Sturm am vergangenen Wochenende hat 90 Prozent des Badestrands der Nordseeinsel Wangerooge weggerissen. Der soll nun wieder geflickt werden. Der Sand dafür fehlt dann woanders.

Eine Urlaubsinsel ohne Badestrand zu bleiben, ist für Wangerooge keine Option. Deshalb kündigte der Inselbürgermeister Marcel Fangohr an, dass man innerhalb der kommenden sechs Wochen den durch den Sturm weggefegten Sand wieder an den Strand bekommen will. Laut Medienberichten soll der Sand für den Badestrand von einer Sandbank vor der Insel kommen.

Die Menschen auf der Insel greifen seit Jahrzehnten auf diese Flickmethode zurück, damit sich im Sommer wieder Tourist*innen am Strand rekeln können.

Wie der Sand an den Strand kommt

Doch das Verfahren, mit dem der Sandstrand der Insel geflickt wird, ist aufwendig, teuer und auch ein Eingriff in die Natur, sagt Christian Winter, Professor für Küstengeologie und Sedimentologie an der Uni Kiel.

"Meist werden die Sandvorkommen mit Schiffen abgebaggert oder abgesaugt", erklärt Winter. Der so gewonnene Sand werde dann auf den Schiffen gesammelt und von dort aus über Rohre ans Land gepumpt.

"Dort, wo der Sand dann fehlt, ist es immer erst mal ein Eingriff."
Küstengeologe Christian Winter über die Sandentnahme

Der Mensch versuche so, die Lage der Insel künstlich stabil zu halten. Für die Organismen, die dort sind, wo der Sand entnommen wird, sei das Abpumpen trotzdem ein Eingriff, sagt Christian Winter. Hinzu komme, dass bei jeder Aufschüttung das System Strand an sich beeinflusst werde.

Zweifel an der Langfristigkeit der Lösung

Hierin sieht Christian Winter ein Problem. "Der Strand und die ganze Inselkette sind ein dynamisches System", sagt er. Demgegenüber stünden die Menschen auf der Insel mit ihren Interessen – etwa, weil Grundstücke nah an der Küste erhalten werden sollen oder der Strand für den Tourismus benötigt werde.

Im Moment scheint es Christian Winter zufolge aber noch genug Geld zu geben, dass das aufwendige Verfahren ermöglicht. "Wenn man sich ansieht, wie sich Wellen, Wind, Klima und Meeresspiegel in Zukunft verhalten werden, wird sich aber wahrscheinlich die Frage stellen, ob das noch wirtschaftlich ist", sagt er.