Ab einem Nanogramm THC pro Milliliter Blut ist Schluss - dann kann die Polizei Fahrer aus dem Verkehr ziehen. Das Problem: Es ist gar nicht so einfach, das in Joints umzurechnen.

Ab 1,1 Promille ist der Führerschein weg. Bei Alkohol. Aber auch Kiffer müssen aufpassen. Ab sofort gibt es einen offiziellen Grenzwert für THC im Blut. Ab einem Nanogramm THC pro Milliliter Blut darf man nicht mehr hinters Steuer, hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig gestern festgelegt, erklärt Ann-Kathrin Horn aus unserer Nachrichtenredaktion. Bislang gab es unterschiedliche Regelungen in den Bundesländern.

Das Problem: Diesen Grenzwert in Joints umzurechnen, ist gar nicht so einfach. Denn Cannabis ist unberechenbarer als Alkohol. Außerdem hängt der Wert auch sehr stark damit zusammen, wie oft ein User kifft. So gehen einige Untersuchungen davon aus, dass der Wert bei Dauerkiffern noch ein bis zwei Tage nach dem letzten Konsum zwischen 1,3 und 6,4 Nanogramm liegt.

Unberechenbarer als Alkohol

Das Bundesverwaltungsgericht bezieht sich auf einen Sachverständigen, der meint ab 1,0 Nanogramm sei ein Konsument nicht mehr fahrtüchtig. Viele andere Sachverständige halten diesen Wert allerdings für übertrieben. Sie sehen die Leistungsfähigkeit erst bei zwei bis fünf Nanogramm eingeschränkt. Erst ab zehn Nanogramm THC sei ein Autofahrer ähnlich eingeschränkt, wie unter dem Einfluss von 1,0 Promille Alkohol.

"Zahlen, die es gibt, lauten: Wenn man viel kifft, dann liegt der THC-Wert noch 1-2 Tage später so zwischen 1,3 und 6,4 Nanogramm."
Ann-Kathrin Horn, DRadio Nachrichtenredaktion

Auch deshalb wird das Urteil noch für Diskussionen sorgen. So hat der Anwalt des Klägers schon bemängelt, dass der Staat das Kiffen generell bestrafen wolle, und denkt sogar darüber nach, bis vor das Bundesverfassungsgericht zu ziehen.

Bleibt die Frage, wie viele Unfälle auf den Konsum von Cannabis zurückzuführen sind? Einige Untersuchungen gehen davon aus, dass Cannabis die häufigste Unfalldroge ist. Im Vergleich zu Vorfällen, bei denen Alkohol im Spiel war, bleibt die Zahl der THC-Crashs aber verschwindend gering. Laut Statistischem Bundesamt gab es 2012 knapp 1500 Unfälle mit Personenschaden, bei denen Drogen im Spiel waren. Bei Alkohol waren es zehn Mal so viel.