Amnesty warnt vor USA-Reise

Amoklauf: Ein Plan für den Notfall

Nach den jüngsten Bluttaten warnt Amnesty International USA-Reisende wegen der verbreiteten Waffengewalt einen Notfallplan zu haben. Wir haben uns von einem Sicherheitsexperten erklären lassen, worauf es im Notfall ankommt – zum Beipiel müssen wir bereit sein, sehr unangenehme Entscheidungen zu treffen.

In den vergangenen Tagen hat es in den USA schon wieder Amokläufe mit Toten gegeben.Binnen dreizehn Stunden wurden in El Paso und Dayton 29 Personen von schwer bewaffneten Männern erschossen. Bluttaten wie diese haben 2019 in den USA bisher insgesamt schon 275 Menschenleben gekostet.

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Jetzt warnt die Menschenrechtsorganisation Amnesty International USA-Reisende zur erhöhter Vorsicht. Sie sollten immer einen Notfallplan bereit haben - und der macht viele, teils unangenehme Entscheidungen nötig, weiß unser Reporter Pascal Fischer.

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Das US-Department of Homeland Security oder auch die Katastrophenschutzbehörde FEMA raten: "Wegrennen, verstecken, kämpfen." Heißt im Notfall: Andere Leute, auch wenn es Freunde und Verwandte sind, nur kurz warnen, mehr nicht. Der Rest sei ein Zeitverlust, der dazu führe, dass die Sicherheit abnehme, sagt Heinz Kraft, der Anti-Amoktrainings mit Firmen und Schulen durchführt.

"Ich würde es bei einer mündlichen Warnung belassen. Was ich nicht machen würde: Lange diskutieren. Jeder Zeitverlust führt dazu, dass die eigene Sicherheit abnimmt."
Heinz Kraft, Sicherheitsexperte

Wenn man sich gut verbarrikadieren kann, sei das erstmal gut. Der Sicherheitsexperte warnt aber davor, gerade im offeneren Gelände, Knubbel hinter Autos oder Steinen zu bilden. Da der Täter möglichst schnell, möglichst viele Menschen töten will, seien solche Ansammlungen sein primäres Ziel. Denn hier treffe der Täter immer jemanden, sagt Heinz Kraft. So sehr man sich aneinander festhalten möchte, sei es von Vorteil, Abstand voneinander zu halten.

Verschlossene Türen bleiben zu

Folgende Situation: Mehrere Leute haben sich in einem Raum verschanzt und die Tür geschlossen. Jetzt klopft es, vielleicht eine Kollegin oder Freund. Und die Person möchte rein. Was tun? Die Tür müsse auf jeden Fall zu bleiben, sagt Heinz Kraft. Der Sicherheitsstandard einer verschlossenen Tür sei größer als bei einer nicht verschlossenen. Und dieser Sicherheitsstandard dürfe nicht mehr vermindert werden. Der Täter könnte ja direkt neben der Person stehen.

"Ein erreichter Sicherheitsstandard bleibt auf jeden Fall erhalten und wird nicht mehr vermindert. Das heißt: Wenn ich die Tür verschlossen habe, ist der Sicherheitsstandard größer als wenn ich sie nicht verschlossen habe."
Heinz Kraft, Sicherheitsexperte

Einzelnen Personen sollten sich daher auf eigene Faust verstecken. Kämpfen ist die letzte Option. Die Konfrontation sollte man nicht selbst suchen, aber darauf vorbereitet sein. Und dann heißt es: Sofort zuschlagen – zum Beispiel mit einem Feuerlöscher oder einem Stuhl.

Selbstbewaffnung keine Option

Eine Waffe mitzuführen, um sich im Falle eines Amoklaufs zu schützen, hält Heinz Kraft für keine Option. Die meisten Menschen könnten in der Panik nicht mal eine Reizgasflasche richtig bedienen. Und dann könne es auch passieren, dass wir in einer unübersichtlichen Situation von der Polizei mit dem Amokläufer verwechselt werden. Generell gelte, wenn Sicherheitskräfte anrücken: Hände noch, Handflächen zeigen.