Seit 55 Jahren werfen Frauen die Antibabypille ein. Heute vermarkten Pharmaunternehmen sie wie ein Lifestyle-Produkt. Und das ist ein Problem.

Viele Frauen nehmen sie: die Pille. Was ist eigentlich drin in der Verhütungsmethode Nummer eins? Zwei Arten von Hormonen, erklärt unsere Autorin Verena von Keitz: Östrogen und Gestagen. Eine Kombination, die dafür sorgt, dass es keinen Eisprung mehr gibt und dass Spermien am Gebärmutterhals nur schwer durchkommen und sich in der Gebärmutter nicht einnisten können. Kurz: Die Pille ist effektiv, wenn Frau nicht schwanger werden will.

So weit so praktisch, aber dann sind da noch die Nebenwirkungen. Bei einer Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung haben 20 Prozent der Frauen von Kopfschmerzen berichtet, die sie auf die Pille zurückführen. 8 Prozent haben zugenommen und 7 Prozent sprechen von einer Nebenwirkung, die eigentlich nicht im Sinne der Erfinder sein kann: Sie haben weniger Lust auf Sex.

Positive Nebeneffekte

Neben diesen negativen Folgen der Pille sprechen Befürworter aber immer wieder von einem angenehmen Nebeneffekt: Die Pille soll schöne Haut machen. Grundsätzlich gilt: Bei unreiner Haut können Hormone Abhilfe schaffen und darum wird die Pille gerne von Frauen genommen, die hartnäckige Akne haben. Davon haben natürlich auch die Pharmaunternehmen gehört und darum wird die Pille heute immer stärker als Lifestyle-Produkt vermarktet. Das Versprechen: Wer die Pille nimmt, hat strahlende Haut, einen geregelten Zyklus und weniger Probleme bei der Menstruation.

Rosa Packung mit Schminkspiegel

Worum es bei der Pille eigentlich geht - keine Kinder zu bekommen - rückt immer stärker in den Hintergrund. Und das hält unsere Autorin Verena von Keitz für ein Problem. Denn vor 55 Jahren enthielt die Pille noch viel Östrogen. Das erhöht das Risiko für Thrombosen - also Blutgerinnsel in den Venen - was zu lebensgefährlichen Embolien führen kann.

Die Folge: Bei der zweiten Pillengeneration in den 80ern wurde der Anteil der Östrogene halbiert und stattdessen das gut verträgliches Gestagen Levonorgestrel dazugepackt. Aber auch bei dieser Pille lag das Risiko einer Thrombose viermal höher als bei Frauen, die keine Pille nehmen. Seitdem wurde immer weiter geforscht, gerührt und geschüttelt und vor allem andere Gestagene eingesetzt.

"Auf jeden Fall checken, welche Pille ihr nehmt - und wenn sie zur Pille der dritten oder vierten Generation gehört, dann umsteigen."
DRadio-Wissen-Autorin Verena von Keitz

Das Problem: Neue Studien haben gezeigt, dass das Risiko einer Thrombose bei der vierten Pillengeneration im Vergleich zum Präparat aus den 80ern wieder zugenommen hat. Von 100.000 Frauen, die keine Hormone nehmen, erleiden im Durchschnitt 5 bis 10 pro Jahr eine Thrombose. Bei Frauen, die Pillen der zweiten Generation schlucken, sind es 20, und wenn Frauen die Pillen der vierten Generation einnehmen, sind es 40. Wer glaubt, dass das immer noch nicht viele Fälle sind, sollte berücksichtigen, wie viele Frauen über viele Jahre hinweg mit der Pille verhüten.

Bleibt die Frage, warum die Pille der vierten Generation dann überhaupt verschrieben wird - vor allem, weil sie auch noch teurer ist? Die Bundesärztekammer hat sich in jedem Fall festgelegt: Sie empfiehlt allen Frauen unter 30, zur Pille der zweiten Generation zu greifen.