Überschwemmungen auf dem amerikanischen Kontinent und Dürre in Australien - El Niño hält den gesamten Pazifik im Atem. Und auch in anderen Regionen der Erde sind die Auswirkungen des Wetterphänomens zu spüren. Dieses Jahr dürfte er besonders heftig ausfallen.

Eine Zeit lang waren sich die Meteorologen noch nicht sicher, aber seit Montag steht fest: El Niño wird tatsächlich einer der heftigsten seit 15 Jahren. Das Wetterphänomen tritt alle paar Jahre vor allem um die Weihnachtszeit herum auf, im Pazifik, im größten und tiefsten Ozean der Welt. Die Strömungen von Luft und Wasser in der Nähe des Äquators ändern sich, und das hat gravierende Folgen für den gesamten Pazifikraum. Meteorologen der Vereinten Nationen warnen vor Hungersnöten, Überschwemmungen und Dürren.

Um zu verstehen, was bei El Niño genau passiert, ist es am besten, sich genau anzuschauen, was normalerweise im Pazifik passiert, rät Verena Leyendecker, Meteorologin bei Wetter Online. In Jahren ohne El Niño schieben die Passatwinde warmes, oberflächennahes Wasser von der Küste Südamerikas nach Australien und Indonesien. Die Folge: Aus der Tiefe dringt kaltes, nährstoffreiches Wasser vor Südamerika nach oben. Darum ist das Wasser vor der Küste Perus 7 bis 8 Grad kälter als vor der Küste Australiens. Über diesem kalten Wasser vor Peru bildet sich dann ein kräftiges Hoch, das für trockenes Wetter sorgt. So ist zum Beispiel auch die Atacama-Wüste in Südamerika entstanden.

Sturzfluten und Dürre

In El-Niño-Jahren ist allerdings alles anders. Die Kurzzusammenfassung: Das warme Wasser vor der Küste Australiens und Indonesiens schwappt zurück. Das Wasser vor der Küste Südamerikas ist in diesem Jahr um bis zu drei Grad wärmer als sonst - ein sehr starker El-Niño-Effekt, sagt Verena Leyendecker. Vor Südamerika steigt zurzeit also kein kaltes nährstoffreiches Wasser nach oben. Es gibt dort also auch viel weniger Plankton, Fische sterben, die gesamte Nahrungskette ist unterbrochen. Außerdem entstehen vor der Küste jetzt Tiefdruckgebiete, es regnet - selbst in der Atacama-Wüste. Vor wenigen Monaten hat es dort sogar geblüht.

Sturzfluten und Trockenheit

Mehr Regen - das klingt erst einmal gut, gerade im dürregeplagten Kalifornien, wo El Niño ebenfalls zu spüren ist. Allerdings bringt das Wetterphänomen keinen leichten Landregen, sondern eher Sturzfluten, die das Land überschwemmen und für Erdrutsche sorgen. Und auch im Westen des Pazifiks hat El Nino massive Auswirkungen. Das Wasser kühlt dort ab, ein Hoch entsteht und sorgt dafür, dass es dort sehr trocken ist. Die Folge: Missernten in Australien und Indonesien.

Und selbst jenseits des Pazifiks sind die Folgen zu spüren. Beim letzten großen El Niño im Jahr 1997/98 kam es im Süden Afrikas zu einer extremen Dürre. Im Norden Europas könnte es dagegen kälter als sonst werden. Ganz sicher ist das aber noch nicht, sagt Verena Leyendecker.

"Warum El Niño in diesem Jahr so heftig ausfällt - das weiß kein Mensch."
Verena Leyendecker, Meteorologin bei Wetter Online

Besonders dramatisch in diesem Jahr: Zusätzlich zu El Niño macht sich auch die Klimaerwärmung bemerkbar. Verena Leyendecker fürchtet, dass die globale Erwärmung die Effekte des Wetterphänomens noch einmal verstärken könnte. Klar ist: Gegen El Niño mit seinen komplizierten Zusammenhängen von Luft- und Wasserströmungen können wir nichts ausrichten. Ganz im Gegensatz zum Klimawandel.