Fußballer, die präventiv Schmerzmittel konsumieren, können in Zweikämpfen ohne Angst vor Schmerzen auftreten. Manche Experten sagen: Das ist eine Form der Leistungssteigerung - und damit Doping.

Das Trainingslager der deutschen Fußballnationalelf, das heute in Südtirol beginnt, gleicht eher einem Krankenlager. Kapselriss, entzündete Knie - so richtig fit für die WM scheinen Schweini und Co. noch nicht zu sein. Da wird wohl das ein oder andere Schmerzmittel nötig sein, um überhaupt trainieren zu können.

Präventiv Pillen schlucken

Wenn ein Fußballspieler nach einer Verletzungspause wieder ins Training einsteigt und deswegen zum Beispiel vom Mannschaftsarzt eine Spritze mit Schmerzmittel bekommt, wird das dokumentiert und ist völlig legal. Was aber, wenn Fußballer prophylaktisch Schmerzhemmer einnehmen? Handelsübliche Schmerztabletten etwa sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich und könnten beispielsweise dafür sorgen, dass Fußballer noch aggressiver in Zweikämpfe gehen - ohne Angst vor schmerzhaften Tritten der Gegner.

Laut Hans Geyer vom Zentrum für präventive Dopingforschung der Deutschen Sporthochschule Köln ist dieser Umgang mit Schmerzmitteln bereits eine Form von Leistungssteigerung - und damit Doping.

"Nach meiner Recherche würde ich die Frage ganz klar beantworten mit: Ja, sie gehören auf die Dopingliste."
Sportreporterin Martina Knief auf die Frage, ob Schmerzmittel schon Doping sind

Schmerzmittel als Doping - so weit würde Fifa-Chefarzt Jiri Dvorak nicht gehen, sagt Sportreporterin Martina Knief im Gespräch mit DRadio Wissen. Aber auch Dvorak kritisiere den enormen Medikamentenkonsum bei Leistungssportlern. Nach einer Fifa-Studie haben während der Fußball-WM 2010 bis zu 60 Prozent der Spieler vor einem Spiel Schmerzmittel genommen - 39 Prozent der aktiven Spieler konsumierten sogar vor jedem Einsatz solche Medikamente.

Egal ob Schmerzmittel nun leistungssteigernd sind oder nicht - gut für die Gesundheit der Sportler sind sie auf keinen Fall. Experten warnen vor Nebenwirkungen für Leber, Niere und den Magen-Darm-Trakt.