Der erste Eindruck ist wichtig. Das wissen wir. Deshalb ziehen wir uns zum Beispiel etwas Ordentliches beim ersten Date an oder wenn wir zu einem Vorstellungsgespräch gehen. Der Eindruck, den unser Gegenüber von uns hat, kann aber schon vom ersten Wort abhängen. Das haben zwei Psychologen der Uni Glasgow herausgefunden. 

Sebastian Sonntag aus der Deutschlandfunk-Nova-Redaktion hat sich die Arbeit der Forscher angeschaut. Die beiden haben schon 2014 in einer Untersuchung herausgefunden, dass schon zu Beginn eines Gesprächs, zum Beispiel am Telefon, ein Eindruck über den anderen geprägt wird. Und da geht es nicht darum, was wir sagen, sondern wie. 

Die Forscher wollten wissen, woran es genau liegt, ob wir eine Stimme sympathisch oder vertrauenswürdig finden. Dazu haben sie in einem ersten Versuch Stimmern bewerten und ihnen positive und negative Eigenschaften zuordnen lassen. Mit den Ergebnissen haben sie eine Computerstimme programmiert. Sie haben die Stimme dann sieben Mal unterschiedlich "Hallo" sagen lassen und diese verschiedenen Hallos dann 500 neuen Probanden vorgespielt. 

Singsang klingt vertrauenswürdig

Dabei ist herausgekommen: Ein Hallo, bei dem die Betonung am Anfang steigt, in der Mitte wieder fällt und zum Ende hin wieder steigt, wurde am höchsten bewertet. Allgemein empfanden die Probanden höhere Singsangstimmen am vertrauenswürdigsten. Deswegen haben es Männer auch generell schwerer, sympathisch mit der Stimme zu wirken, bestätigt auch der Sprechwirkungsforscher Walter Sendlmeier. Frauen sprechen demnach generell melodiöser als Männer. Dadurch wirken sie freundlicher und weniger aggressiv. So entsteht dann ein besserer erster Eindruck. 

"Männerstimmen sind in der Regel nicht nur tiefer, sondern auch monotoner und wirken dadurch nicht unbedingt ganz so freundlich."
Walter Sendlmeier, Sprechwirkungsforscher

Bei dem Versuch der beiden Psychologen aus Glasgow ist es nur darum gegangen, wie eine Stimme wirkt. Deshalb haben die Forscher auch eine Computerstimme benutzt. Es lässt sich aber von der Stimme auch auf Charaktereigenschaften schließen, erklärt Sprechwirkungsforscher Walter Sendlmeier. Dabei gehe es um die typischen Basisdimensionen nach dem Big-Five-Konzept der Persönlichkeitspsychologie

"In der Stimme sind Indikatoren über die Persönlichkeit enthalten. Ob jemand eher extrovertiert oder introvertiert ist. Oder eher emotional stabil oder labil."
Walter Sendlmeier, Sprechwirkungsforscher

Das Problem: Wir befinden uns im Laufe des Tages in mehreren emotionalen Zuständen, die mehrfach wechseln können, erklärt Walter Sendlmeier. So seien wir eine Zeit lang traurig, dann wieder überglücklich oder ärgern uns über etwas – all das schlage sich in der Stimme nieder. Und am Ende kann es dann schwierig sein, herauszufinden – ist das ein positiver Mensch, oder hat der einfach nur einen guten Tag. 

Grundsätzlich lässt sich heraushören, wie es jemandem geht – wenn wir wissen, worauf zu achten ist. Und je eindeutiger eine Emotion gerade empfunden wird, desto einfacher ist es, sie auch zu hören. 

  • Bei einer traurigen Stimme sinkt die mittlere Tonlage nach unten ab. Die Stimme wird monotoner, sie klingt gedämpfter. 
  • Wer ärgerlich ist, spricht lauter. Die Stimme geht insgesamt nach oben. Silben werden stärker betont.
  • Wenn wir ängstlich sind, verschiebt sich unsere Stimme ebenfalls nach oben, klingt aber, ähnlich wie bei der Trauer, monoton. Und am Ende bleiben wir mit der Satzmelodie oben oder schrauben sie sogar noch weiter in die Höhe.  

Mama checkt sofort, wenn es uns schlecht geht

Davon bekommen wir unterbewusst auch vieles mit. Und das ist auch der Grund, warum unsere Mutter beim Telefonieren schon nach zwei Worten fragt, "Ist alles in Ordnung?", wenn wir Liebeskummer haben.  

Vieles von diesen Erkenntnissen ist wichtig für die Grundlagenforschung und auch für die Entwicklung von künstlichen Stimmen sehr interessant. Es gibt aber auch ein paar Versuche, diese und ähnliche Erkenntnisse praktisch zu nutzen. Zum Beispiel in Form einer Computersoftware, die im Bewerbungsgespräch analysieren soll, was für ein Typ vorspricht und was er für Charaktereigenschaften hat. 

Oder Krankenkassen könnten versuchen, mit so einer Software Schlüsse über den Gesundheitszustand von Patienten zu ziehen. Davor warnt Sprechwirkungsforscher Walter Sendlmeier aber eindringlich. Weil niemand genau auseinanderhalten könne, ob eine Stimme wegen einer Charaktereigenschaft klingt, wie sie eben klingt oder ob es nur um eine Emotion geht, die gerade aktuell ist.