Wie wird die Energieversorgung in Deutschland in der Zukunft aussehen? Wo stehen wir heute, wo gibt es Schwierigkeiten und (ungenutzte) Chancen? Das alles klären wir im Check Erneuerbare Energien. Diesmal: Wasserkraft.

In Deutschland stehen uns die Energiequellen Wind, Sonne, Biomasse, Wasser, Geothermie und die Gezeitenbewegung (Ebbe/Flut) zur Verfügung. Hier Teil vier unserer Erneuerbare-Energien-Reihe: Wasserkraft.

Die Technik

Wasserkraftwerke kommen in der Regel dort zum Einsatz, wo Wasser fließt, also an Flüssen oder Seen mit ständiger Wasserzufuhr. Allein die Fließbewegung wäre zur Stromproduktion nutzbar, das wäre allerdings nicht sehr effizient. Wird ein Staudamm errichtet und künstlich ein stärkeres Gefälle erzeugt, erhöht sich die Fließgeschwindigkeit des Wasser. So dreht sich die Turbine schneller, die einen Stromgenerator antreibt.

Oft ging es bei den in der Regel Jahrzehnte alten Wasserkraftwerken in Deutschland nicht in erster Linie um die Stromproduktion, sondern um eine Staustufe, um zum Beispiel die Fließgeschwindigkeit von Flüssen zu verringern und den Flusslauf zu regulieren. An einer Staustufe ein Wasserkraftwerk einzurichten, bot sich dann an.

Anteil am deutschen Strom- und Wärmemix

Lokal kann Wasserkraft eine größere Rolle spielen. Das Wasserkraftwerk Iffezheim in Baden-Württemberg zum Beispiel hat eine installierte Leistung von 146 Megawatt, das sind ca. 50 Windräder oder: Ein Zehntel des weltweit stärksten Kernreaktors.

Insgesamt ist die Bedeutung von Wasserkraft an der deutschen Stromproduktion nicht sehr groß.

Im Jahr 2017 wurden drei Prozent der gesamten Stromproduktion durch Wasser gewonnen. Zum Vergleich: Photovoltaik machten sechs Prozent aus, Wind 16 Prozent. Langfristig wird die Bedeutung der Wasserkraft in Deutschland (im Vergleich) abnehmen, weil zum Beispiel neue Windkraft- und Solaranlagen gebaut werden.

Wasserkraft hat aktuell allerdings indirekt eine große Bedeutung für uns: Bei vielen Ökostromtarifen wird nämlich damit geworben, dass der Strom aus 100 Prozent Wasserkraft kommt. Gemeint ist häufig importierter Strom aus Norwegen. Manche Werbeversprechen grenzen allerdings fast an Verbrauchertäuschung.

Grafik, die den Strommix in Deutschland zeigt
© Agentur für erneuerbare Energien

Wasserkraft eignet sich besonders...

Überall dort, wo Wasser fließt.

Die konkrete Entscheidung, wo eine Wasserkraftanlagen sinnvoll erscheint, ist allerdings eine Einzelfallbetrachtungen, die von vielen Kriterien abhängt, die in erster Linie das Wassersystem betreffen.

Das Umweltbundesamt geht davon aus, dass das meiste Potenzial von Wasserkraft in Deutschland schon ausgeschöpft ist.

Die meisten Wasserkraftwerke in Deutschland sind 30 Jahre als und älter. Fast alle liegen in Bayern und Baden-Württemberg, weil dort die Bedingungen mit Mittelgebirge, Voralpen und Alpen günstig sind. Neubauten gibt es im Prinzip keine.

Aus Sicht von CO2-Produktion und anderen Treibhausgasen ist Wasserkraft vorbildlich.

Nachteile

Die Nachteile von Wasserkraftanlagen betreffen in erster Linie ökologische Aspekte. Ein Wasserkraftwerk bedeutet einen massiven Eingriff in den Flusslauf. Wird die Fließgeschwindigkeit des Wassers verringert, kann die Temperatur darin steigen, der Sauerstoffgehalt sinken und das ökologische System bedrohen.

Auch deshalb geht es heute weniger um den Bau neuer Anlagen, sondern um die Modernisierung bestehender Anlagen – auch, um sie ökologisch verträglicher zu machen und zum Beispiel den Fischen die Möglichkeit zu geben die Anlage zu passieren.

Sinnvoll ja oder nein?

In Deutschland ist die Umstellung auf erneuerbare Energien vergleichsweise schwierig. Norwegen und Österreich haben die Wasserkraft, in südlichen Ländern bietet sich der Ausbau von Solarparks an.

Deutschland hat sozusagen von allem etwas, aber nichts richtig. Deshalb wird die Stromproduktion der Zukunft auf einem Energiemix basieren - mit den wichtigsten Elementen Wind und Sonne.

Wasserkraft hat heute schon einen geringen Anteil an der Stromproduktion, und er wird (relativ, nicht absolut) noch kleiner werden. Der Hauptgrund: Fast das komplette Wasserkraft-Potenzial in Deutschland ist bereits ausgeschöpft.