"We are one" – so heißt ein digitaler Zusammenschluss von 21 großen Filmfestivals aus aller Welt. Sie kuratieren dafür ein Programm auf Youtube.

Die Berlinale hatte noch Glück. Am letzten Tag des Festivals, am 1. März, gab es den ersten bestätigten Corona-Fall in der Hauptstadt. Zwei Wochen später haben die Kinos bundesweit geschlossen. Das Filmfestival von Cannes hat es härter getroffen. Eigentlich sollte es Mitte Mai stattfinden, aber das schillerndste Filmfestival der Welt wurde verschoben. Ob und wie es im Herbst stattfinden kann, ist noch offen.

Wegen der weltweiten Corona-Krise wurden auch viele andere Filmfestivals vorerst abgesagt. Deshalb haben die Tribeca Enterprises und die Google-Tochter Youtube das kostenlose Online-Filmfest "We Are One" ins Leben gerufen. An dem Projekt beteiligen sich eine Reihe namhafter, internationaler Filmfestspiele wie Berlinale, Cannes, Venedig, Toronto, London, Mumbai, Tokyo, Sundance oder Jerusalem.

"Jedes Festival hat ein paar Veranstaltungen kuratiert und drückt dem Festival damit einen ganz individuellen Stempel auf."
Anna Wollner, Deutschlandfunk-Nova-Filmkritikerin

Unsere Filmxpertin Anna Wollner hat sich das Programm angeschaut. Sie sagt, dass es ein sehr gemischtes Programm ist, denn jedes der beteiligten Festivals kuratiert ein paar Veranstaltungen und gibt dem Programm dadurch eigene Akzente.

Gezeigt werden keine Blockbuster und große Namen, sondern ein Repertoire, dass auf den großen Festivals eher in den kleinen Sälen läuft. Zum Teil gibt es auch alte Filme. Die Berlinale zum Beispiel streamt Ulrike Öttingers Klassiker des neuen deutschen Films "Bildnis einer Trinkerin" aus dem Jahr 1979.

"Die großen Wettbewerbsfilme der letzten Jahre gibt es nicht, da ist die Rechtefrage zu kompliziert."
Anna Wollner, Deutschlandfunk-Nova-Filmkritikerin

Außerdem zeigt die Berlinale zwei Talks. Die Gespräche mit Schauspielern, Schauspielerinnen und Regisseuren, wie etwa Ang Lee, Kore Eda Hirokazu, Claire Denis, Guilermo del Torro, Jane Campion und Jackie Chan sind nicht live, sondern Mitschnitte vergangener Festivalausgaben.

Das Cannes-Festival schickt nur ein paar Kurzfilme aus den vergangenen Jahren. Aus filmischer Sicht gibt es 13 Weltpremieren und 31 Onlinepremieren von Filmen, die auf den Festivals schon liefen

Ein Filmfestival – direkt und kostenlos

Anna Wollner freut sich besonders auf den Dokumentarfilm "Iron Hammer" über den chinesischen Volleyballstar Jenny Lang Ping. Und auf die israelische Neo-Noir-Thriller-Serie "Losing Alice", eine weibliche Faust-Variante auf hebräisch.

Das Festival findet komplett online bis zum 7. Juni statt und ist damit für jeden frei zugänglich, der Internet hat. Es kostet nichts, man kann aber über einen Button an der Seite für Covid-19-Hilfsmaßnahmen der WHO spenden.

"Als Festivalerfahrung taugt eine Online-Variante nur so halb, denn es geht ja gerade bei einem Filmfestival um das Kollektiverlebnis."
Anna Wollner, Deutschlandfunk-Nova-Filmkritikerin

Wie bei einem richtigen Festival, gibt es auch beim globalen Online-Film-Festival einen festen Ablauf. Jeder Film ist zeitlich programmiert und hat – nach amerikanischer Ostküstenzeit – einen Sendeplatz. Die meisten Filme werden für die Dauer des Festivals bis zum 7. Juni aber auch on Demand nach der Premiere verfügbar sein.