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Die nicht-kommerzielle Webserie "Kuntergrau" erzählt das Queere ganz normal. Sie ist in 16 Sprachen untertitelt und in die dritte Staffel gegangen.

Wenn queere Themen im linearen, deutschen TV auftauchen, dann auch heute immer noch meist Paradiesvogel-artig bunt. Gerne plakativ mithilfe von Drag-Queens oder dem einen schrillen, besten, schwulen Freund der Hauptdarstellerin, der mit ihr Klamotten shoppen geht.

In der Web-Serie "Kuntergrau" auf Youtube ist das anders: Das Queere ist hier das ganz normale, und das heteronormative findet nur am Bildrand statt.

2014 ist Kuntergrau im Rahmen der offenen Jugendarbeit des queeren Jugendzentrums Anyway in Köln entstanden. Das Anyway ist Europas älteste Einrichtung ihrer Art und bietet schon seit 2011 Medienarbeit für Jugendliche an. So entstanden vor "Kuntergrau" schon Deutschlands erste schwule Webserie "Julian – Junge lieber Anders" und der Fußballfilm "Zwei Gesichter" über Homosexualität im Profifußball.

Queere Themen haben es schwer im linearen Fernsehen

"Kuntergrau" wird eigenverantwortlich, nicht-kommerziell und spendenfinanziert von jungen, queeren Menschen zwischen 17 und 29 produziert und hat im Fokus fünf junge, schwule Männer und ihre alltäglichen Lebens- und Liebesgeschichten.

Die Webserie wurde bisher über acht Millionen mal weltweit aufgerufen und ist in über 16 Sprachen untertitelt. Ausgezeichnet wurde die Serie unter anderem mit dem Webvideopreis 2018, einer Auszeichnung vom Bündnis für Demokratie und Toleranz 2019 und dem Engagementpreis des Landes NRW 2020.

Bei der Arbeit: Autor und Regisseur Jan Kreuser
© Yannic Kötter
Bei der Arbeit: Autor und Regisseur Jan Kreuser

Mit Autor und Regisseur Kai Kreuser sprechen wir darüber, wie es möglich war, eine Webserie mit drei Staffeln und quasi Null Mitteln zu erschaffen und warum es queere Themen auch heute immer noch schwer ins lineare Fernsehen schaffen.

Aufmerksam gemacht auf die Serie hat uns Eine-Stunde-Film-Hörer Christoph aus Stuttgart. Danke!

Außerdem...

... hat sich Anna Wollner für uns die Serien-Adaption von "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" auf Amazon Prime angeguckt. Die Macher haben den 70er-Jahre-Style der Original-Geschichte mit einem aktuellen Look von heute kombiniert. Anna klärt auf, ob das geklappt hat.

Zusätzlich schauen wir gemeinsam in "Love Victor" auf "Star", dem neuen Kanal von Disney+. Auch "Love Victor" ist eine queere Geschichte, allerdings teuer und in den USA produziert.

Dazu werfen wir außerdem noch einen Blick auf Netflix, wo jetzt ganz neu "Tribes of Europa" läuft: Eine deutsche Netflix-Original-Produktion von Philip Koch, die im Jahr 2074 spielt. In dieser Postapokalypse gab es 2029 einen weltweiten Blackout, der die gesamte Zivilisation zum Erliegen gebracht hat. 45 Jahre danach gibt es nur noch einzelne und mit- und gegeneinander ums Überleben kämpfende Tribes. Eine Art "Mad Max light".