So lange hat es vor ihnen noch niemand geschafft: Acht Jahre waren sie an der Spitze der Linkspartei, doch jetzt treten Bernd Riexinger und Katja Kipping zurück – und machen den Weg frei für eine neue Parteiführung und einen möglichen Kurswechsel.

"Der richtige Zeitpunkt für einen Stabwechsel ist gekommen" – Selbstbewusst und zufrieden kündigte die Doppelspitze der Linkspartei ihren Rückzug an. Dabei zogen Bernd Riexinger und Katja Kipping eine positive Bilanz: Ihre Partei habe es geschafft, in westdeutschen Bundesländern Fuß zu fassen, betonte das Duo. Seit es die Linke gebe, müssten die anderen Parteien über soziale Gerechtigkeit reden, so die scheidenden Vorsitzenden weiter.

Innerparteiliche Grabenkämpfe

Einfach werden es ihre Nachfolger aber nicht haben, harmonisch gehe es in der Partei ganz und gar nicht zu, sagt Panajotis Gavrilis, Deutschlandfunk-Korrespondent in Berlin. Die innerparteilichen Widersprüche zwischen Pragmatikern, Reformern und Linksradikalen könnten die Frage, wohin die Partei inhaltlich steuert und mit wem, erschweren, so der Journalist.

"Sie hinterlassen nicht unbedingt eine harmonisch laufende Partei. Es geht um die Frage: Wohin steuert die Partei? Und mit wem?"
Panajotis Gavrilis, Deutschlandfunk-Korrespondent im Hauptstadtstudio

Nachfolge unklar

In Erfurt soll nun vom 30. Oktober bis 1. November eine neue Parteispitze gewählt werden. Wer Kipping und Riexinger folgen könnte, sei noch unklar, sagt der Deutschlandfunk-Korrespondent. Immer wieder im Gespräch als mögliche Kandidatinnen für den Parteivorsitz seien die hessische Fraktionsvorsitzende Janine Wissler und die thüringische Fraktionschefin Susanne Hennig-Wellsow.

Außerdem kursieren weitere Namen, wie die des stellvertretenden Parteivorsitzenden Ali Al-Dailami oder des ersten parlamentarischen Geschäftsführers der Linksfraktion im Bundestag Jan Korte, so Panajotis Gavrilis.

"Zu möglichen Namen und Präferenzen wollten sich die scheidenden Vorsitzenden nicht äußern."
Panajotis Gavrilis, Deutschlandfunk-Korrespondent im Hauptstadtstudio

Noch radikal genug?

Die Linke werde mittlerweile als ernstzunehmende Kraft in der politischen Landschaft wahrgenommen, sagt Panajotis Gavrilis. In Thüringen stellen sie mit Bodo Ramelow einen Ministerpräsidenten, in Berlin und Bremen sind sie an der Regierung beteiligt.

Trotzdem werde die Koalitionsfähigkeit der Partei immer wieder in Frage gestellt – nicht zuletzt wegen der Forderung, die Linke müsse sich klar zur Nato und gegen sogenannte Russlandfreunde bekennen. Innerparteiliche Streitigkeiten zur politischen Ausrichtung seien deshalb vorprogrammiert, vermutet Panajotis Gavrilis.

"Die Partei wird nicht mehr in die linke Schmuddelecke gedrängt, sondern sie wird ernst genommen."
Panajotis Gavrilis, Deutschlandfunk-Korrespondent im Hauptstadtstudio