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Hotels, Gastronomie, Einzelhandel – die Corona-Krise bringt für viele Wirtschaftsbereiche große Schwierigkeiten mit sich. Offenbar ist auch die Samenbank-Branche wegen Covid-19 in Not geraten. Facebookgruppen schaffen Abhilfe.

Die Samenbanken in den USA kommen nicht mehr so leicht an Spender heran wie noch vor der Krise, berichtet die New York Times. Auf der einen Seite würden sich in der Corona-Krise immer mehr Menschen ein Kind, sagte Michele Otte, Labordirektorin der Samenbank Fairfax Cryobank, in dem Artikel – lesbische Paare, Singles, Paare, die kein Kind bekommen können. Gleichzeitig sei es wegen Corona aber auch schwieriger, an Spender zu kommen.

Weniger Samenspender

Laut New York Times sind auch bei der Seattle Sperm Bank, einer der größten Samenbanken der USA, die Spenderzahlen im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit dramatisch gesunken, teilweise um fast die Hälfte. Die Gründe:

  • Bestehende Spender haben während der Pandemie Angst oder Respekt, vorbeizukommen und bleiben lieber zu Hause.
  • In Corona-Zeiten ist es schwerer, neue Spender zu rekrutieren.
  • Ein weiterer Nachteil der Samenbanken, den viele werdende Eltern sehen und der auch unabhängig von Corona existiert: Die Spender in den Samenbanken bleiben anonym.

Weil die Nachfrage aber unverändert hoch ist, wird die entstandene Lücke gerade durch private Facebook-Gruppen geschlossen, in denen Männer ihre Samen an Suchende verkaufen, erklärt unsere Netzreporterin Martina Schulte.

Facebookgruppen und Samensuch-Apps

Laut New York Times haben diese Facebookgruppen teilweise zehntausende Nutzerinnen und Nutzer. Die beiden größten in den USA heißen "Sperm Donation USA" und "USA Sperm Donation". Die beide Gruppen liegen im Clinch, erzählt Martina, und streiten sich darüber, wer wem den Namen geklaut hat. Neben den Facebookgruppen gibt es auch eigene Apps zur Samensuche, etwa "Modamily" oder "Just a Baby".

Die Männer, die ihre Samen auf Facebook anbieten, haben ganz unterschiedliche Backgrounds, berichtet Martina Schulte: Vom Handwerker bis zum Professor sei alles dabei. Am meisten nachgefragt werden aber – wenig erstaunlich – die Samen gut aussehender Akademiker.

"Am begehrtesten ist offenbar – genau wie in den Samenbanken – der gut aussehende Akademiker. Aber das ist kein Must."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Kyle Gordy (29) aus Malibu in Kalifornien ist der Gründer der Facebookgruppe "Sperm Donation USA" mit rund 11.000 Mitgliedern. Beruflich investiert er eigentlich Geld in Immobilien. Den Großteil seiner Zeit verbringt er aber wohl damit, seine Samen zu spenden. Laut New York Times ist es tatsächlich eine Spende, denn Gordy berechnet offenbar nur die Anreisekosten.

Der "Sperm King"

Der Ansatz scheint zu funktionieren: Der Gruppengründer – von der Zeitung "Sperm King" getauft – ist bereits Vater von 35 Kindern, fünf weitere sind unterwegs.

In den Gruppen posten potentielle Samenspender ein Foto von sich, oft eine Kindheitsaufnahme, manchmal auch Bilder vom eigenen Nachwuchs. Dazu stellen sie eine Selbstbeschreibung. Bei John aus Arizona klingt das dann etwa so: "Ich habe eine 1400er Schach-Wertung und arbeite als Analyst. Ich bin friedfertig und gut gelaunt. Ich treibe regelmäßig Sport, vorzugsweise Rollerblading."

Künstliche oder natürliche Besamung

Wenn die Anzeige bei Suchenden auf Interesse stößt, können diese den Spender per Direktnachricht kontaktieren. Werden sich beide Seiten einig, wird der Samen anschließend meist per "Artificial Insemination (AI)" übergegeben: Die Übergabe findet zum Beispiel in einer AirBnb-Wohnung statt. Der Spender masturbiert dort und reicht den frischen Samen anschließend direkt weiter. Manche Spender bieten auch "Natural Insemination (NI)" an, also Sex. Um auszuschließen, dass die Spendergene Mutationen enthalten, werden manchmal auch DNA-Tests genutzt.

"Manche Spender bieten auch 'Natural Insemination' an, also Sex."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

In den Facebookgruppen werden viele Samen kostenfrei angeboten. Manche Spender (wie der "Spermakönig") berechnen nur die Reisekosten, andere verlangen um die 100 Dollar. Aus diesem Grund sind die Facebookgruppen auch bei weniger vermögenden Eltern in spe beliebt - bei den offiziellen Samenbanken kostet nämlich allein der Samen um die 5000 Dollar.

Auch in Deutschland gibt es solche Facebookgruppen zur Samenspende. Eine private Samenspende ist in Deutschland erlaubt, sie darf nur nicht anonym sein. Wer eine private Samenspende ohne Samenbank plant, sollte sich vorher aber sehr gut über die rechtlichen Fallstricke informieren.