Bisher galt neben dem Menschen einzig der Indri-Lemur als Primat mit Rhythmusgefühl. Nun hat ein Forschungsteam um eine Biologin der Uni Turin einen weiteren Musiker identifizieren können: den Weißhandgibbon.

Weißhandgibbons leben in Südostasien, beispielsweise in Thailand. Sie haben nicht nur lange Arme, sondern auch einen besonderen Gesang. Ein Forschungsteam hat diesen Gesang untersucht und festgestellt, dass dieser mit menschlicher Musik vergleichbar ist.

Isochronie: Feste Abstände zwischen den Tönen

Das ist deshalb so besonders, weil bisher neben dem Menschen nur eine einzige Primatenart bekannt dafür ist, ein vergleichbares Rhythmusgefühl zu haben: der Indri-Lemur auf Madagaskar. Rhythmusgefühl zeichnet sich durch Isochronie aus. Damit ist gemeint, dass es zwischen den Tönen feste Abstände gibt – vergleichbar mit dem Ticken einer Uhr. Auf Aufzeichnungen aus Thailand und aus Tierparks in Italien konnten die Forschenden das auch für den Gesang der Weißhandgibbons feststellen.

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Besonders ist außerdem, dass die Tiere in der Lage sind, im Duett zu singen: Dabei überlappen sich ihre Töne um bis zu 18 Prozent. Diese Rate spricht dafür, dass es sich um Absicht und nicht um Zufall handelt. Den Forschenden ist zusätzlich aufgefallen, dass der Rhythmus bei männlichen Gibbons stärker ausgeprägt ist, wenn sie mit einem Weibchen zusammen singen. Für ein beabsichtigtes Duett spricht außerdem, dass Weißhandgibbon-Paare, die schon länger zusammen sind, besonders synchron sind.

"Vermutet wird, dass die Weißhandgibbons durch den Gesang ihre gemeinsame Bindung vertiefen und gleichzeitig anderen signalisieren, dass sie zusammen und für andere nicht mehr zu haben sind."
Peter Neuhaus, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Der Grund für das Duett ist wohl romantisch: Die Forschenden vermuten, dass die Weißhandgibbon-Paare durch den gemeinsamen Gesang ihre Bindung vertiefen – und den anderen signalisieren, dass sie nicht mehr zu haben sind. Daneben dient der Gibbon-Gesang wohl aber auch dazu, Raubtiere abzuschrecken und Artgenossen vor Gefahren zu warnen.

Neue Erkenntnisse über Musikalität

Die Erkenntnisse der Forschungsgruppe sollen dabei helfen, den Ursprung von Musikalität in Zukunft besser erklären zu können. Im Grunde gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder hat sich das Rhythmusgefühl im Laufe der Evolution mehrmals bei verschiedenen Primatenarten entwickelt oder es gibt einen gemeinsamen musikalischen Vorfahren.

  • Moderation: 
  • Gesprächspartner:  Peter Neuhaus, Deutschlandfunk-Nova-Wissensreporter