Frauen morden anders als Männer. Und aus anderen Gründen. Der Kriminalist Stephan Harbort hat in einer Studie erstmals die Fallakten und Biografien aller bekannten Serienmörderinnen in Deutschland untersucht und ist dabei zu erstaunlichen Ergebnissen gekommen.

Die Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Serienmördern sind gravierend, sagt Stephan Harbort: "Männer töten, um sich zu bereichern oder sexualisierte Gewalt oder Macht auszuüben." Ganz anders die Frauen:

"Frauen begehen solche Delikte, um in letzter Konsequenz private oder berufliche Konflikte radikal zu beseitigen."
Stephan Harbort, Kriminalist und Buchautor

Das kann zum Beispiel ein Babymord sein, weil das Baby den Lebensweg der Täterin blockiert, oder der Lebenspartner ist unliebsam geworden, sagt Harbort. Im beruflichen Umfeld werden manchmal auch Patienten das Opfer. Meistens sind die Täterinnen Frauen, die nicht gelernt haben, Probleme sozialadäquat zu bearbeiten, so Harbort. Mord ist der einzige Ausweg, den die Frauen sehen.

"Die erste Tat passiert, fatalerweise werden sie nicht überführt. Irgendwann tritt eine Tötungsgewöhnung ein. Die radikalen Lösungsmuster sind dann quasi eine Lebensphilosophie."
Stephan Harbort, Kriminalist und Buchautor

Für sein Buch hat Stephan Harbort, der auch Polizist ist, mit vielen Serienmörderinnen persönlich gesprochen. Er sagt, dass die Frauen im Gegensatz zu Männern eher verschlossene Charaktere sind, die gerne auch auf die eigene Opferrolle hinweisen. "Das stimmt auch ein Stück weit", so Hobert, "aber man muss auch sagen, dass die Entscheidung, ein Opfer zu töten, auch eine sehr rationale und kaltblütige ist."

"Mir sind Frauen begegnet, die ein ganz großes Problem damit hatten, sich den Taten anzunähern."
Stephan Harbort, Kriminalist und Buchautor

Die Frauen haben über Jahrzehnte nicht gelernt, Konflikte zu handhaben, sich eine soziale Stellung zu erarbeiten und sehen auch Ehe- und Partnerschaften als Zweckgemeinschaften, so der Kriminalist.

Über 20 Sereinmörderinnen auf freiem Fuß

Dass die Polizei Täterinnen überführt, hängt vor allem vom Zufall ab, sagt Harbort. Ein Beispiel:

"Der Sohn der Täterin leert eine Truhe mit abgelaufenen Nahrungsmitteln und am Boden findet er mehrere Säuglingsleichen. So kommen die Taten häufig ans Tageslicht."
Stephan Harbort, Kriminalist und Buchautor

Harbort geht von einer hohen Dunkelziffer an unentdeckten Täterinnen aus: Über 20 Serienmörderinnen leben in Deutschland, schätzt er. Solange es keinen Fall und Zufall gibt, gibt es auch keine polizeiliche Ermittlung.