Alexandra Niessen-Rünzi ist Professorin für Corporate Governance an der Uni Mannheim. Weibliche Vorbilder in ihrem Job findet sie in Deutschland kaum. Auch in der Wirtschaft fehlt es an weiblichen Role Models.

Besonders in Berufsfeldern, die von Männern dominiert werden, haben Frauen in Führungspositionen eine wichtige Rolle. Nicht nur im unternehmerischen Sinne. Sie motivieren andere Frauen im Unternehmen, sich dem Wettbewerb mit männlichen Kollegen zu stellen. Frei nach dem Motto: Wenn die es schaffen kann, dann schaff ich das auch.

Einfluss von Genderstereotypen

Belegt wurde das in ersten Studien zum Thema weibliche Role Models. Denn gerade wenn Fähigkeiten gefragt sind, in denen Frauen sich nicht so stark fühlen, hilft ein weibliches Vorbild. Überprüft wurde das zum Beispiel mit einfachen Mathematiktests.

Das gängige Genderstereotyp, dass Männer besser in Mathematik sind als Frauen, trifft nachweislich nicht zu. Wurde den Frauen vor dem Test aber in einem Gespräch suggeriert, dass Männer in dem Test generell besser abschneiden, verschlechterte sich das Ergebnis der Frauen. Der Effekt konnte aber wieder aufgehoben werden, wenn die Testleiterin weiblich war und mathematische Kompetenz ausstrahlte.

Frauenquote nur bedingt hilfreich

Auf Grundlage solcher Studien forscht Alexandra Niessen-Rünzi derzeit daran, welchen Einfluss weibliche Vorbilder auf Frauen haben, die eine Karriere in der Wirtschaft anstreben. Eine Frauenquote hält sie nur bedingt für nützlich, um die Zahl der weiblichen Vorbilder in Wirtschaftsunternehmen zu erhöhen. Denn die zielt vor allem auf eine Erhöhung des Frauenanteils in den Top-Management-Ebenen ab.

"Ich glaube, was das Problem der Quote ist, dass eine ganz wichtige Bedingung nicht erfüllt ist, die aber eigentlich erfüllt sein muss: Das Vorbild muss der Person sehr ähnlich sein."
Alexandra Niessen-Rünzi über die Anforderungen an Vorbilder

Identifikationspotenzial ist aber vor allem dann gegeben, wenn die Person, die als Vorbild dient, möglichst nah an der eigenen Biografie ist. Also zum Beispiel ähnlich alt ist, einen ähnlichen sozialen Status hat oder auch einen ähnlichen Karriereweg gegangen ist. Alexandra Niessen-Rünzi selber hat mit Ulrike Malmendier von der Uni Berkeley ihr persönliches Vorbild in den USA gefunden - einfach, weil es in ihrem Forschungsbereich kaum deutsche Kolleginnen gibt.

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