Weihnachtsbaum-Monokulturen stehen in der Kritik – aber sie sind auch ökologisch sinnvoll, sagt Landschaftsökologe Thomas Fartmann. Unter anderem sind sie wichtige Lebensräume für bedrohte Vogelarten wie die Heidelerche.

Wie wir das mit dem Weihnachtsbaum möglichst nachhaltig gestalten, darüber haben wir uns bei Deutschlandfunk Nova schon häufiger Gedanken gemacht.

Seit wir wissen, dass die Plastikbaum-Alternative auch keine Lösung ist, schauen wir wieder auf den echten Baum. Hier stellt sich beispielsweise die Frage: Geschlagen oder mit Wurzel? Oder: Wieder einpflanzen oder Wiederverwerten? Hat alles Vor- und Nachteile.

Ebenfalls in der Kritik steht der Anbau der Weihnachtsbäume auf Monokultur-Plantagen.

Weihnachtsbaum-Monokultur-Plantagen sind gut für die Artenvielfalt

Thomas Fartmann ist Professor für Landschaftsökologie an der Uni Osnabrück und hat sich jüngst in einer Studie mit dem konventionellen Weihnachtsbaum-Anbau im Sauerland beschäftigt. In dieser Region gibt es besonders viele Weihachtsbaum-Monokulturen.

Der Landschaftsökologe hat viele Argumente, warum die Monokulturplantagen gar nicht so schlimm sind. Im Gegenteil, sagt er, sie haben auch zahlreiche Vorteile.

  • Weihnachtsbaumkulturen sind im Vergleich zu konventionellen Ackerflächen besser, weil darauf nur einjährige Kulturen angebaut werden. Dort kommen in der Regel mehr Pestizide und Herbizide zum Einsatz, weil sich die Pflanzen innerhalb kürzester Zeit gegen andere durchsetzen müssen. Außerdem werden hier auch Insektizide eingesetzt. Die spielen auf Weihnachtsbaumkulturen keine Rolle.
"Herbizide werden auf Weihnachtsbaumplantagen in geringem Maß eingesetzt. Und das auch nur im Frühjahr und Herbst. Die Wirkung der Herbizide ist begrenzt."
Thomas Fartmann, Landschaftsökologe an der Uni Osnabrück
  • Weihnachtsbaumkulturen sind im Vergleich zu klassischen Wälder besser. Thomas Fartmann hält der Kritik, dass für Weihnachtsbaumkulturen andere Wälder gerodet würden, entgegen, dass es sich dabei meist um Fichtenforste handelt. Das sind ebenfalls Monokulturen, allerdings mit einer geringeren Artenvielfalt.
"Die lichten Strukturen bei Weihnachtsbaum-Plantagen sind gut für die Insekten, weil es sich dort schnell erwärmt. Außerdem wächst besonders im Sommer zwischen den Baumreihen eine Menge."
Thomas Fartmann, Landschaftsökologe an der Uni Osnabrück
  • Weihnachtsbaumkulturen bieten eine große Biodiversität, weil sich viele Insekten und seltene Vogelarten in den Plantagen wohlfühlen. Das liegt laut Thomas Fartmann daran, dass sie ein gutes Nahrungsangebot dort finden. Die offenen Vegetationsstrukturen der Bäume machten die Nahrung für die Vögel besonders leicht zugänglich. Auch das sei ein Vorteil.
"Die Vögel können sehr gut Jagen, sie sehen ihre Beute sehr gut. Das wäre etwas anderes, wenn wir hohe und dichte Vegetation wie im Wald hätten."
Thomas Fartmann, Landschaftsökologe an der Uni Osnabrück

Für Thomas Fartmann ist klar: Weihnachtsbaum-Monokulturen sind für viele Arten ein guter Lebensraum und haben Vorteile gegenüber dem Fichtenforst oder Ackerflächen. Und weil sie nicht jedes Jahr komplett gerodet werden, sondern nur teilweise, bieten sie auch einen beständigeren Lebensraum.

Weihnachtsbaumplantagen: gute Mischung von Anbau und Entnahme

Thomas Fartmann erläutert die Intermediate Disturbance Hypothese, wonach es bei mittleren Störungsintensitäten die höchste Artenvielfalt gibt. Konkret heißt das: Auf Äckern, die jedes Jahr bewirtschaftet werden, leben nicht viele Tiere. Und auf Flächen, wo gar nichts gemacht wird, gibt es auch eine geringe Artenvielfalt. Weihnachtsbaum-Plantagen lägen bei den Störungsintensitäten genau in der Mitte, was gut für Artenvielfalt sei, so Thomas Fartmann.