Deutsche und Briten schossen sich im Ersten Weltkrieg aus den Schützengräben über den Haufen. Außer an Weihnachten. Da mochten sie sich eigentlich ganz gern.

Sir Edward Hamilton Westrow Hulse, ist ein junger Leutnant der britischen Armee im Ersten Weltkrieg. Vor allem seinen Aufzeichnungen haben wir diese wunderbare Weihnachtsgeschichte zu verdanken, die auch viel darüber aussagt, was Krieg für Soldaten wohl auch oder sogar vor allem ist: Dienst nach Vorschrift.

Ein paar Rahmendaten:

  • Deutschen und Briten bekämpfen sich nahe der belgischen Stadt Ypern.
  • Es ist kurz vor Weihnachten, kalt, seit Wochen regnet es. Die Soldaten stehen in ihren Schützengräben 20 Zentimeter tief im Schlamm.
  • Ihre Kleidung, vor allem die Schuhe und Socken, sind immer nass. Schlaf gibt es kaum.
  • Mit der Moral nimmt es schon länger niemand mehr so genau. Soldaten, die schon aufgegeben hatten, werden erschossen, andere gelyncht, andere absichtlich verwundet.

Und dann ist Weihnachten des Jahres 1914.

"Gegen 8:30 Uhr schaute ich hinaus und sah vier Deutsche, die ihre Schützengräben verließen und auf uns zukamen."
Edward Hamilton Westrow Hulse

Am 24. Dezember steigen deutsche Soldaten aus ihrem Schützengraben und gehen auf die Briten zu. Es sind nur 100 Meter. Der Leutnant Hulse fragt sie, ob sie Befehle von ihren Offizieren bekommen hätten, rüber zu kommen. Sie sagen: nein. Sie kommen einfach aus gutem Willen.

Die Soldaten auf beiden Seiten legen die Waffen nieder, singen zusammen, tauschen Zigarren, Adressen, Familienfotos. Ein britischer Offizier holt eine Flasche Rum aus der Tasche. Eine spontane Weihnachtsfeier zwischen Männern, die Stunden zuvor noch aufeinander geschossen haben. Sie hält mehrere Tage an.

Gemeinsames Begraben von Leichen

Deutsche und britische Soldaten helfen sich dabei, die Toten des letzten Angriffs zu beerdigen. Deren Leichen liegen seit Tagen im Niemandsland zwischen den Schützengräben.

Von der Gegend um Ypern aus, wo die Schützengräben der Feinde besonders nah beieinander liegen, breitet sich der Weihnachtsfrieden entlang der Westfront aus. Etwa 100.000 Soldaten feiern damals gemeinsam.

Der Frieden soll und darf nicht zu lange halten. Nach Weihnachten wird bald wieder geschossen. Einen Weihnachtsfrieden wie im Jahr 1914 gibt es nie wieder. Die Befehlshaber sind in den nächsten Jahren besser vorbereitet und verbieten ihren Truppen Waffenstillstände ausdrücklich.