Ein neues Smartphone, eine Smartwatch oder Spielkonsole als Weihnachtsgeschenk - das könnte in diesem Jahr schwierig werden. Die Lieferketten auf dem Weltmarkt spielen verrückt. Aber keine Panik - es gibt Alternativen!

Unsere weltweiten Lieferketten sind komplex, sagt Logistikexperte Nikolai Neumeyer von der Donau-Universität Krems. Zu komplex. Vielleicht sollten wir künftig auf kürzere Wege setzen.

Denn die Pandemie hat gezeigt: Wenn irgendwo auf dem Weg von der Herstellung bis zur Auslieferung einer Ware etwas ins Stocken gerät, dann wirkt sich das auf das ganze Liefersystem aus.

So kommt es, dass es in diesem Jahr von vielen Rohstoffen oder Teilen, die weiterverarbeitet werden, zu wenig vorrätig gibt.

Jetzt ganz schnell Geschenke shoppen?

Also schon jetzt Weihnachtsgeschenke hamstern? Gerade Mikrochips sind derzeit Mangelware - und sie stecken in vielen Gebrauchsgegenständen, von der Spielekonsole bis zur elektrischen Zahnbürste.

Keep calm! Meint unser Reporter Christian Schmitt. Schließlich geht es am Weihnachtsfest doch nicht wirklich darum, möglichst viele, teure und elektronische Geschenke zu machen.

"Kann schon sein, dass das für uns ganz gut ist, wenn wir mal etwas reduzieren. Wir haben uns sehr dran gewöhnt, dass immer alles da ist."
Rita Molzberger, Philosophin

Der Mangel als Chance

Vielleicht ist es ja sogar ganz gut für uns, wenn einmal nicht immer alles sofort und überall verfügbar ist, meint Philosophin Rita Molzberger. Vielleicht können wir dadurch einmal nachdenken über den Sinn und Zweck des Schenkens. Denn im Grunde, so die Philosophin, stärken Geschenke unsere Beziehungen zu anderen.

"Es geht nicht nur um ökonomisches Kapital, sondern immer auch um kulturelles und soziales Kapital. Also um die Stärkung unserer Beziehungen. Und dazu ist ja Gabe und Gegengabe immer schon ein Mittel gewesen."
Rita Molzberger, Philosophin

Die Pandemie-bedingten Lieferengpässe zwingen uns also möglicherweise zur Entschleunigung. Und möglicherweise auch dazu, über unsere Geschenkekultur zu reflektieren und den Fokus eher auf das Zwischenmenschliche zu legen.

Zeit schenken und Beziehungen stärken

Denn wenn die Spielekonsole erst nach Weihnachten ankommt, kann man sich trotzdem noch darüber freuen. Und in der Zwischenzeit vielleicht ein Spiel verschenken, dass man gemeinsam spielt.

“Wir können zum Beispiel auch Hilfe leisten. Oder Gesellschaft leisten. Und das sind Dinge, die wir sonst nicht so auf dem Schirm haben, die Menschen aber untereinander glücklich machen."
Rita Molzberger, Philosophin

Auch Hilfe anbieten oder Zeit schenken sind Alternativen zum materiellen Geschenk. Das würde nicht nur die Beziehung zu anderen Menschen stabilisieren, sondern auch unseren Wertekatalog, der dahinter steht, sagt die Philosophin.

Insofern haben wir in diesem Jahr die Chance: Weniger am Materiellen festhalten, wieder mehr auf das soziale Konto einzahlen. "Es macht die Welt schon ein bisschen besser, wenn wir mal versuchen, uns nicht immer nur Dinge zu schenken", so unser Reporter.