In den Tagen vor Weihnachten werden sie wieder in Endlosschleife an jeder Ecke gespielt: weihnachtliche Popsongs. Wenn daraus ein erfolgreicher Weihnachtssong werden soll, muss er vor allem positiv klingen und ein bisschen auch von gestern sein.

Egal ob in Mariah Careys "All I Want For Christimas", "Thank God It’s Christmas" von Queen, Elton Johns "Step into Christmas", selbst in "Last Christmas" von Wham! sind sie versteckt: die Glöckchenklänge.

Denn: Soll ein Weihnachtspopsong kommerziell erfolgreich werden, dürfen Schlittenglocken-Klänge offenbar nicht fehlen. Kurz: Songs müssen so konservativ wie das Weihnachtsfest selbst sein. Denn bei Weihnachten geht es darum, dass es so ist wie jedes Jahr, sagt Dozent Gregor Schwellenbach vom Folkwang-Insitut für Populäre Musik.

"Weihnachten ist ja ein Fest, bei dem es wichtig ist, dass es so ist wie jedes Jahr. Es ist ein sehr konservatives Fest."
Gregor Schwellenbach, Dozent am Folkwang-Insitut für Populäre Musik

Bei Pop-Weihnachtsliedern sei der musikalische Geschmack der breiten Masse Ende der 1940er stehen geblieben, sagt Gregor Schwellenbach. Harmonisch betrachtet würden viele der weihnachtlichen Popsongs daher eher Lieder erinnern, die wir aus Broadway-Shows kennen.

Der perfekte Weihnachtssong ist positiv mit etwas Swing

Soll die große Masse den Song für gut befinden und in Dauerschleife in der Shoppingmall laufen, muss er aber einen bestimmten Standard erfüllen – er sollte einen eher positiven Charakter haben, erklärt Gregor Schwellenbach.

"Wenn man so kalkuliert, dass man auf einem Weihnachtssampler auftauchen oder in Schleife im Kaufhaus laufen möchte, dann muss man sich an einen bestimmten Standard halten – und der ist eher positiv."
Gregor Schwellenbach, Dozent am Folkwang-Insitut für Populäre Musik

Sängerinnen und Sänger erzählen uns in Pop-Weihnachtslieder daher jedes Jahr Geschichten, bei denen es um das Fest der Liebe geht: Von Weltfrieden über das Zuhausesein bis zur Weihnachtsparty unter dem Mistelzweig ist alles dabei. Das funktioniert im Punkrock genauso wie im Hip-Hop. Sobald über ein weihnachtliches Thema gesungen wird, kann er schon als Weihnachtssong verkauft werden.

Klassisch mit viel Pop

Der aktuelle Song von Robbie Williams "Time for Change" ist ein Beispiel für einen klassischen Weihnachtssong mit einer ganz großen Ladung Pop-Zuckerguss. Inklusive richtig pathetischem Heile-Welt-Weihnachten-im-Wohnzimmer-Video.

Musikwissenschaftler Joe Bennett vom Berklee College of Music in Boston hat vor drei Jahren die 78 beliebtesten Weihnachtssongs bei Spotify untersucht. Er fand heraus: Am besten funktionieren weihnachtliche Popsongs in Dur mit einem Tempo von 115 bpm im 4/4-Takt. Kommt dazu noch ein leichter Swing-Einfluss, ist das umso beliebter. Knapp 70 Prozent der Songs werden übrigens von einem Sänger performt.