Der Klimawandel hat auch Auswirkungen auf den Wein. Denn steigende Temperaturen führen zu einem höheren Alkoholanteil in den Weinen. Doch der ist nicht unbedingt erwünscht.

Die Trauben werden früher reif, bekommen mehr Sonne ab, der Zuckergehalt in den Trauben steigt und somit auch der Alkoholgehalt im Wein. Früher hatten die Weine im Durchschnitt 11 Prozent Alkohol, heute sind es dagegen eher 13 Prozent.

Knaller Wein macht müde

Weinexperte Thorsten Kiss ist für den Weineinkauf einer Supermarkt-Kette verantwortlich. Ihm sind nach der Lese 2018 auch schon Weißweine mit bis zu 15 Prozent Alkohol untergekommen - die machten eher müde, meint er.

Für die Winzer, sagt Thorsten Kiss, sei es daher sehr wichtig, den Erntezeitpunkt gut einzuschätzen. Sobald der Wein seine physikalische Reife erreicht hätte, wäre es Zeit die für die Lese.

"Der Klimawandel bringt mehr Umdrehungen ins Weinglas."
Thorsten Kiss kauft für eine Supermarkt-Kette Wein ein

Die Kunden würden sich eher "schlanke Weine" mit 10 bis 11 Prozent Alkoholgehalt wünschen. Sie werden von Weintrinkern gerne als "süffiger" bezeichnet. Als Einkäufer und Weinkenner kann Thorsten Kiss in etwa den Alkoholgehalt herausschmecken.

Biologischer Weinbau führt zu weniger Alkoholgehalt im Wein

Winzer hätten beispielsweise durch die Umstellung auf einen biologischen Anbau die Möglichkeit, den Alkoholgehalt im Wein zu reduzieren. Ein Unterschied neben dem Wegfall von Chemikalien sei bei dieser Methode auch die Begrünung im Weinberg.

Wie wir im Supermarktregal den richtigen Wein finden – Tipps von Thorsten Kiss:

  • Auf dem rückseitigen Etikett steht die Erzeugerangabe. Beispiel: Qualitätswein – Gutsabfüllung bedeutet, der Wein wurde von dem Gut selbst erzeugt. Der Winzer hat also seine eigenen Trauben, die seit mindestens drei Jahren in seinem Besitz sein müssen, für diesen Wein verwendet. Außerdem muss er selbst Önologe sein oder einen angestellt haben.
  • Der Verein der Prädikatsweingüter (VDP) hat als Wappen einen Adler, der sich auf dem Kopf der Flasche befindet.
  • Es gibt Zusammenschlüsse von Winzern wie Generation Riesling oder Footprint aus dem Rheingau, die Qualitätsweine herstellen wollen.

Persönlich würde Thorsten Kiss Weine aus dem Jahr 2018 im höheren Preissegment nicht bevorzugen, weil sie zu gefällig seien, keine Ecken und Kanten hätten.

"2018 wird ein sehr schönes Rieslingjahr für den Einsteiger sein."
Weinexperte Thorsten Kiss

Menschen, die mit der Säure eines Weines eher Probleme haben, könnten sich mit Riesling aus 2018 erst einmal anfreunden. Die Frucht sei stärker ausgeprägt, sagt Thorsten Kiss: "mehr Pfirsich, mehr Apfel, mehr Birne".

Worauf Thorsten Kiss bei der Weinauswahl für den Supermarkt achtet:

  • Label und Erscheinung der Flasche
  • Trendige Weine
  • Alte Reben, die noch nicht so stark etabliert sind
  • Derzeitige Lieblingstraube: Colombaud, sehr fruchtig
  • Wein sollte mindestens zwischen fünf und sechs Euro kosten, ab acht Euro gäbe es schon sehr gute Weine.