Forscher empfehlen, in unseren Abwässern stärker nach Antibiotikaresistenzen zu suchen. Das könne helfen, um einzuschätzen, wie verbreitet Resistenzen sind und welche neuen Gefahren möglicherweise auf uns zurollen.

Bisher wird hauptsächlich nur in Krankenhäusern nach Antibiotika-Resistenzen gesucht. Dabei geht es oft um außergewöhnliche Resistenzen, sogenannte Reserve-Antibiotika. Aufschluss darüber, wie weit Bakterien mit Antibiotika-Resistenzen in der normalen Bevölkerung verbreitet sind, zum Beispiel gegen Standard-Antibiotika wie Penicillin oder Tetracycline, geben solche Untersuchungen jedoch nicht.

Abwasser als Spiegel der Gesellschaft

Verena Höckele vom Karlsruher Institut für Technologie befasst sich beruflich mit dem nachhaltigen Wassermanagement. Sie sagt, das Abwasser sei ein Spiegel unserer Gesellschaft. Alles, was wir zu uns nehmen und was nicht komplett vom Körper aufgebraucht und ausgeschieden werde, gelange ins Klärwerk.

"Das Abwasser ist ein Spiegel unserer Gesellschaft. Alles, was wir zu uns nehmen und nicht komplett vom Körper aufgebraucht wird, wird ausgeschieden und gelangt über die Kanalisation ins Klärwerk."
Verena Höckele, Karlsruher Institut für Technologie

Gehen wir aus Klo, sagt Verena, dann trennen wir uns auch immer von Mikroben, die in unserem Darm wohnen. Bei der Untersuchung des Abwassers erhalten wir dann Hinweise, wie weit verbreitet welche Antibiotika-Resistenzen in der Bevölkerung sind.

Keine problematischen Keime aus der Massentierhaltung

Im Fachmagazin Science schlagen dänische und britische Forscher vor, nach Antibiotika-Resistenz-Genen zu suchen – auch wenn diese sich keinen bestimmten Bakterienarten zuordnen lassen. Experten wie Martin Exner vom Institut für Hygiene der Uni Bonn halten das trotzdem für einen guten Ansatz. Damit könnten zumindest problematische Tendenzen frühzeitig erkannt werden. Die Abwasseruntersuchung wäre damit eine Art Frühwarnsystem.

"Es geht vor allem darum, mitzukriegen, wo, wie viele und welche Arten von Resistenzen auftreten. Auch um zu sehen, ob da eine neue Antibiotika-Resistenz auf uns zu kommt. Es ist ein Überwachungssystem."
Verena von Keitz, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Um herauszufinden, was mutmaßliche Quellen für Resistenzen sein können, braucht es allerdings andere Methoden. Mit dem sogenannten Hyreka-Projekt konnte der Hygiene-Experte Martin Exner beispielsweise nachweisen, dass aus Massentierhaltungsanlagen eigentlich keine problematischen Keime ins normale Abwasser gelangen. Denn die hätten ein eigenes Klärsystem, so Verena. Anders bei Krankenhäusern, weshalb hier die Abwässer künftig besser vorbehandelt werden sollen.

Die Gefahr von multiresistenten Keimen

Es gibt Fälle, bei denen sich Menschen nach Kontakt mit freiem Gewässer nachweislich mit multiresistenten Keimen infiziert haben. So geschehen beispielsweise in Frankfurt, als ein Mann in den Bach gefallen ist, sich infinzierte und ins Krankenhaus musste. Daraufhin wurden in mehreren Gewässern in der Frankfurter Umgebung viele multiresistente Keime nachgewiesen. Das Frankfurter Gesundheitsamt rät deshalb davon ab, dort zu baden. Und auch wer am Uferrand im Wasser und Matsch spielt, sollte sich danach immer sehr gut die Hände waschen.