Wie sollten Medien berichten, wenn ein Mensch Suizid begeht? Und was können wir privat tun? Deutschlandfunk-Nova-Reporter Pascal Fischer erklärt, wie Medien und Privatpersonen am besten vorgehen. 

Unser Reporter Pascal Fischer hat zu dem Thema recherchiert und seine Antwort auf die Frage, ob wir überhaupt Fälle berichten sollten, wenn Menschen sich das Leben nehmen: Ja, wenn es Menschen sind, die in der Öffentlichkeit stehen. 

Ein Beispiel wäre der Tod von DJ Avicii im April 2018. Wichtig sei jedoch, dass Medien sich mit Details zurückhalten: keine Fotos der Tat, keine Abschiedsbriefe – für den Fall, dass es so etwas gibt – und schon gar nicht darüber berichten, als sei es eine Sensation oder den Fall gar romantisieren.

Suizid - weder Verständnis noch religiöse Anspielungen sind angemessen

Barbara Schneider, die Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention, rät auch, weder mitfühlend noch mit religiösen Anspielungen über Suizid zu berichten. Schneider sagt: "Dann wird was Positives mit dem Tod assoziiert, zum Beispiel: '...wird im Tod mit seinen Lieben vereint'." Für gefährlich hält sie auch Formulierungen die einen Tod nachvollziehbar erscheinen lassen wie: "Es gab keinen anderen Ausweg. Das war der einzige Ausweg. Das, was vorher geschah, trieb ihn in den Tod." Besser sei es, wenn Medien über einen Einzelfall berichten, dass sie im Verlauf zum Allgemeinen kommen und vor allem auch die Prävention erwähnen.

Das können wir alle beachten:

Jeder von uns sollte sensibel reagieren, wenn er oder sie einen Menschen im Umfeld beobachtet, der:

  • sich in letzter Zeit sehr verändert hat
  • von Selbsttötung redet
  • Vorbereitungen trifft
  • vielleicht finanzielle Probleme hat

Unmittelbare Hilfe gibt zum Beispiel es beim Hausarzt, aber auch bei der Polizei, beim Notarzt und natürlich in psychiatrischen Kliniken, die rund um die Uhr ansprechbar sind. Auch die anonyme Telefonseelsorge bietet Erste Hilfe an. Auf der Seite Freunde fürs Leben gibt es Informationen über Suizid und Depressionen.

Der Caritasverband hat zum Welttag der Suizidprävention einen Hashtag kreiert: #dubistmirwichtig. Dazu gibt es einen Song von Jonas Monar. Das Video zu dem Song ist auch dazu gedacht, dass wir es Freunden schicken, um die wir uns Sorgen machen.

Das Video richtet sich eher an eine junge Zielgruppe und das hat seinen Grund: In der Gruppe der 15- bis 25-Jährigen ist Suizid die zweithäufigste Todesursache.

Diese Tipps richten sich übrigens nicht nur an Medien und Einzelpersonen, sondern auch an Organisatoren von öffentlichen Veranstaltungen und Gedenkminuten. Denn auch hier gibt es immer wieder mal Nachahmungseffekte. Wenn also ein Sportverein um ein Mitglied trauert, gilt: auch da auf Hilfsangebote verweisen und behutsam mit dem Thema umgehen.

Hilfe im Notfall 

Wenn du selbst von Suizidgedanken betroffen bist, versuche, mit anderen Menschen darüber zu sprechen. Das können Freunde oder Verwandte sein, müssen es aber nicht. Es gibt eine Vielzahl von Hilfsangeboten, bei denen du – auch anonym – mit anderen Menschen sprechen kannst. Eine Übersicht der Angebote findest du zum Beispiel bei der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.

Sofortige Hilfe erhältst du rund um die Uhr bei der Telefonseelsorge unter den kostenlosen Rufnummern 0800 - 111 0 111 und 0800 - 111 0 222. Und im Internet unter telefonseelsorge.de.