Jeder fünfte Deutsche ist von Depressionen betroffen. Trotzdem ist es noch immer schwierig, über die Krankheit zu sprechen. Auch aus Angst um den eigenen Job. Wie man eine Depression erkennen kann und warum die Krankheit kein Stigma sein darf, sagt der Psychotherapeut Joachim Bauer.

Heute (28.11.) hat die Deutsche Depressionshilfe die Studie "Volkskrankheit Depression - so denkt Deutschland" herausgegeben. Die Krankheit bleibt für viele ein Tabuthema. Offen darüber zu sprechen, das gelingt nur wenigen.

Dabei sind Aufklärung und Information entscheidend. Denn man kann Depressionen präventiv entgegenwirken. Entscheidend sind zum Beispiel ein gutes soziales Umfeld und enge persönliche Kontakte, sagt Joachim Bauer, Psychotherapeut der Universität Freiburg. Gibt es Konflikte, ist es wichtig sie zu regeln, sagt Bauer. Zu Hause, aber auch an der Uni oder beim Job. 

"Unser Gehirn ist gemacht für gute soziale Beziehungen. Der Mensch braucht soziale Verbundenheit."

Doch wie lässt sich erkennen, ob man depressiv ist? Jeder hängt einmal durch. Aber wenn jemand mehr als eine Woche oder sogar zwei Wochen jeden Tag durchhängt, dann könnte es eine Depression sein. Hinzu kommen meist schwere Schlafstörungen, ebenso Kraftlosigkeit und das Gefühl einer inneren Leere.

"Wenn nichts mehr im Leben Freude macht und das Gefühl über viele Tage anhält, dann sprechen wir von einer Depression."

In solchen Fällen ist es wichtig, sich bei einem Psychotherapeuten oder Psychiater Rat zu holen. Doch für viele ist der Weg zum Arzt mit Ängsten verbunden. Denn zum Beispiel kann die Diagnose Depression unter Umständen bedeuten, dass man den eigenen Beruf nicht mehr ausüben kann oder Berufe nicht erlernen darf. Doch diese Ängste sind selten berechtigt.

Depression als Stigma

"In der Regel sind die meisten Jobs gut damit vereinbar, dass jemand einmal eine Depression hatte", sagt Bauer. Dennoch: Das Stigma Depression sei sehr belastend. Vor allem Männern falle es sehr schwer, sich eine Depression einzugestehen. Für viele passt die Diagnose Depression nicht zu ihrem Selbstbild von Männlichkeit.

"Wir sollten dieses Stigma unbedingt wegkriegen. Eine Depression gehabt zu haben, ist in keinem Fall ein Ausschlussgrund für die meisten Berufe, die wir heute haben."

Bei einer Depression brauchen die Erkrankten vor allem Zeit, um sich zu regenerieren. Bei einer schweren Depression kann dies auch einen längeren Aufenthalt in einer Klinik bedeuten. Dafür braucht es unter anderem Arbeitgeber, die sensibel reagieren und den Erkrankten die nötige Zeit lassen.

Falls Ihr Fragen zu Depressionen habt, bietet die Telefonseelsorge unter 0800/111 0 111 kostenfrei Hilfe. Auch die Deutsche Depressionshilfe bietet Rat.