Leicht bekleidete Frauen mit zweideutigen Sprüchen sollen auf Plakatwänden Aufmerksamkeit für Produkte erzielen. Das kann zu einer Rüge durch den Deutschen Werberat führen.

Absatzsteigerung durch Aufmerksamkeit – das ist das Ziel von Werbung. Manchen Plakaten, Werbebannern im Netz und Radio- oder TV-Spots gelingt das auf eine subtile Art und Weise, andere setzen auf zweideutige Sprüche und Sexismus, indem sie leicht bekleidete Frauen in eindeutigen Posen in Szene setzen.

Vor Kurzem wurden wieder öffentliche Rügen für sexistische Werbung durch den Deutschen Werberat ausgesprochen. Die freiwillige Kontrollinstanz der deutschen Werbebranche wurde 1972 gegründet. Erst 1984 hat der Werberat die erste öffentliche Rüge ausgesprochen.

"Das Ziel ist, natürlich gar keine sexistische Werbung oder herabwürdigende Werbung oder auch andere Verstöße gegen unsere Verhaltensregeln zu haben."
Katja Heintschel von Heinegg, Geschäftsführerin des Deutschen Werberats

Beim Deutschen Werberat können sich all diejenigen beschweren, die etwas gegen eine bestimmte Werbung einzuwenden haben. Anschließend prüfen die Mitglieder, ob tatsächlich ein Verstoß gegen die Richtlinien gibt, die sich deutsche Werbetreibende selbst auferlegt haben.

Das Kontrollgremium legt seinen Entscheidungen folgende Kriterien zugrunde:

  • Die allgemeinen Gesetze
  • Die werberechtlichen Vorschriften, die Unlauterkeit und Irreführung in der Werbung verbieten
  • Die Verhaltensregeln des Deutschen Werberats: für die Werbung mit und vor Kindern im Fernsehen und Hörfunk, für die Bewerbung von alkoholischen Getränken
  • Die aktuell herrschende Auffassung über Sitte, Anstand und Moral in der Gesellschaft

Deutscher Werberat: 90 Prozent der Unternehmen ändern ihre Werbung

Wenn die Werbung gegen die selbst auferlegten Regeln verstößt, werden die auftraggebenden Unternehmen vom Deutschen Werberat kontaktiert. Rund 90 Prozent der Firmen ändern ihre Werbung daraufhin, sagt die Geschäftsführerin des Deutschen Werberats, Katja Heintschel von Heinegg.

Kleinere Unternehmen, wie zum Beispiel die Rohstoff-Recycling Gebrüder Gubisch GmbH aus Zittau, halten manchmal weiterhin an ihrer Werbung fest. Der Rohstoff-Recycling-Betrieb hatte zuletzt mit einem doppeldeutigen Plakat geworben, auf dem eine halbnackte Frau auf einer abgewetzten Ledercouch sitzt. Dazu der Spruch: "Zu alt? Zu verbraucht? Zu abgeledert? Wir entsorgen fast alles. Auch ihre ALTE (Couch:-). Dafür gab es dann eine Rüge vom Deutschen Werberat.

"Natürlich gefällt mir die Werbung, ich habe sie mir mit der Dame von der Werbefirma ja selbst ausgedacht. Unsere Intention war – laut unserer Meinung – etwas Lustiges, etwas eindeutig Zweideutiges, etwas zum Schmunzeln und einfach: einen Hingucker zu schaffen."
Silke Gubisch, Rohstoff-Recycling Gebrüder Gubisch GmbH aus Zittau