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Goffin-Kakadus können nicht nur mit Werkzeug umgehen, sondern stellen es auch selbst her. Und sie bringen anderen Artgenossen bei, wie man es anwendet.

Goffin-Kakadus sind äußerst verspielt, extrem neugierig und sehr intelligent und daher auch als Studienobjekte beliebt. An der Veterinärmedizinischen Universität in Wien wird zum Beispiel erforscht, was die Vögel alles können. Dabei überprüfen Forschende mit verschiedenen Experimenten, wie intelligent die Kakadus sind.

Forschung: Fokus liegt auf dem Werkzeuggebrauch der Goffin-Kakadus

Sie sind nicht nur gute "Handwerker", die auf ihr Werkzeug achten und es mit sich herumtragen, sondern sie stellen ihre Werkzeuge auch selbst her. Das Wiener Forschungsteam hat im Labor beobachtet, wie ein Goffin-Kakadu vorgegangen ist, um an eine Nuss zu gelangen, die nicht in seiner Reichweite lag.

Werkzeugherstellung

Mit seinem kräftigen Schnabel hat der Vogel längliche Splitter aus einem Holzbalken geknabbert. Mithilfe dieser künstlichen Schnabelverlängerung ist es dem Kakadu dann auch gelungen, sich die Nuss zu angeln.

Die beobachteten Kakadus haben ihr Werkzeug nach Gebrauch nicht liegen gelassen, sondern es zumindest in einigen Fällen behalten. Sie hatten wohl instinktiv festgestellt, dass sie es später bei anderen Versuchsbedingungen, wenn es wieder darum ging, eine Nuss zu angeln, noch brauchen konnten.

"Sie bringen sich offensichtlich gegenseitig den Werkzeuggebrauch aktiv bei."
Mario Ludwig, Biologe

Die "Panzerknacker" unter den Vögeln

Goffin-Kakadus sind sogar in der Lage, Schlösser zu knacken. Die österreichischen Forschenden haben etwa Goffin-Kakadus einen Holzkasten gezeigt. Darin lag hinter einer Glasscheibe Futter in Form einer Nuss. Diese war zwar von außen sichtbar, aber eben nicht direkt zu erreichen.

Schlösser müssen in der richtigen Reihenfolge geöffnet werden

Die Box war mit fünf verschiedenen Verschlussmechanismen gegen einen Zugriff der Kakadus gesichert. Die Schlösser mussten außerdem in einer bestimmten Reihenfolge geöffnet werden, da jedes Schloss ein weiteres blockiert hat.

Verschiedene Verschlussmechanismen erkennen

Zuerst musste der Vogel einen Stift herausziehen, dann eine Schraube aufdrehen, einen Bolzen entfernen, ein Rädchen drehen und zum Schluss noch einen Riegel öffnen. Ein Goffin-Kakadu-Männchen namens Pipin hat diese komplexe Aufgabe in weniger als zwei Stunden lösen können.

Vögel können sich Fertigkeiten bei Artgenossen abschauen

Manchen Kakadus gelang es, Aufgaben ganz ohne Hilfe zu bewältigen. Andere benötigten die Anleitung eines erfahrenen Vogels, bei dem sie die Technik abschauen konnten.

Lernen mit Anleitung durch einen Artgenossen und ohne

In einem Versuch teilten Forschende Goffin-Kakadus in zwei Gruppen von jeweils sechs Vögeln ein, um herauszufinden, wie die Vögel lernen.

Eine Gruppe bekam einen Kakadu zugeteilt, der eine bestimmte Technik bereits beherrschte – zum Beispiel ansonsten unerreichbare Nüsse mithilfe eines Holzstäbchens aus einer Box zu angeln. Dieser Kakadu namens Figaro fungierte sozusagen als Lehrmeister.

Die zweite Gruppe bekam hingegen nur das Prinzip des Angels vorgeführt, aber ohne das es ihnen von einem Artgenossen gezeigt wurde. Die "Vogel-Lehrlinge" konnten dabei zusehen, wie ein magnetgesteuertes Werkzeug die Nuss geangelt hat.

Es zeigte sich allerdings, dass sich ohne das Vorbild des Kakadus namens Figaro kein Lerneffekt eingestellt hat. Figaro hat sich damit als ein aktiver Lehrmeister erwiesen.

Vorkommen der Goffin-Kakadus

Die Goffin-Kakadus sind eher kleine Vertreter der Familie der Kakadus. Sie besitzen ein schneeweißes Gefieder und kamen früher ausschließlich auf der indonesischen Inselgruppe Tanimbar vor. Mittlerweile hat man sie aber auch in Indonesien, Singapur und Puerto Rico eingeführt, wo sie jetzt auch wild lebende Populationen bilden.