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Gerlinde, Heike, Ilka: Wenn bislang vom Wetter die Rede war, blieben migrantische Namen in der Regel außen vor. Eine Aktion der Neuen Deutsche Medienmacher*innen ändert das. Zunächst für die ersten Hoch- und Tiefdruckgebiete des Jahres.

Ahmet heißt aktuell das Tief über Europa. Der Name ist eine gezielte Aktion, um mehr Vielfalt in die Wetternamen in Deutschland zu bringen. Sonst tragen Hochdruck- und Tiefdruckgebiete meistens klassisch deutsche Namen. Die Neuen Deutschen Medienmacher*innen sind ein Verein von Medienschaffenden, der sich für mehr Vielfalt in der Medienlandschaft einsetzt.

Der Name gehört seiner Aktion #Wetterberichtigung. Sie soll zeigen, dass in vielen Bereichen des Alltags unsichtbar bleibt, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist. Bislang galt das auch für die Sprache in der Wetterberichterstattung.

Ahmet ist erst der Anfang

Für die Aktion hat sich der Verein die ersten 14 Patenschaften des Jahres für Hoch- und Tiefdruckgebiete in Deutschland gesichert. In den kommenden Wochen sind beispielsweise Bartosch, Chana und Dragiza noch an der Reihe.

"In Deutschland sind 40 Prozent der Kinder und Jugendlichen aus Einwandererfamilien. Das spiegelt sich in vielen Bereichen nicht wider."
Ferda Ataman, Neue Deutsche Medienmacher*innen, Sprecherin

Mit den Namen handelt das Institut für Meteorologie der Freien Universität Berlin. Es vergibt seit den 1950er Jahren Namen für Hoch- und Tiefdruckgebiete. Dabei wird immer das Alphabet komplett durchgegangen. Dann geht es im Folgejahr wieder von vorne los.

Patenschaften für Wetterlagen

Seit knapp 20 Jahren sind diese Namen käuflich, so dass eine Wetterlage den Wunschnamen derjenigen Person trägt, die bezahlt hat. Hochdruckgebiete sind dabei etwas teurer als Tiefdruckgebiete. Verlinkungen zu Homepages kosten extra.

"Wenn du wie ein Hoch heißen willst, kostet das 360 Euro. Ein Tief bekommst du für schlappe 240 Euro, weil die unbeliebter sind."
Rahel Klein, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Bislang sei die Kampagne #Wetterberichtigung überwiegend positiv aufgenommen worden. Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Rahel sagt: "Viele Menschen feiern die Aktion, und finden sie super. Es gibt viele prominente Unterstützerinnen und Unterstützer."

Rahel nennt die Grünen-Politikerin Renate Künast, SPD-Politikern Sawsan Chebli und die Klimaaktivistin Luisa Neubauer. Vor allem die AfD habe sich allerdings auf die Aktion eingeschossen und rege sich auf. Die Neuen Deutschen Medienmacher*innen wollen nicht, dass die vergebenen Namen konkreten Personen zuzuordnen sind – eigentlich ist das bei den Wetterpatenschaften so üblich. Der Grund für die Abweichung: Anfeindungen ließen sich so vermeiden, hofft Ferda Ataman.

"Wir wollten nicht, dass Leute, die tatsächlich so heißen, Hass und Hetze ausgesetzt sind. Wann immer Menschen sich öffentlich für Vielfalt einsetzen, müssen sie damit rechnen, angefeindet zu werden."
Ferda Ataman, Neue Deutsche Medienmacher*innen, Sprecherin