In den kommenden Jahren könnte es noch heißer werden. Grund dafür ist nicht nur die Klimakrise, sondern auch das natürliche Wetterphänomen El Niño. Es löst La Niña ab, das bisher noch für kühlere Temperaturen gesorgt hat.

In den letzten Jahren wurden bereits viele Hitzerekorde gebrochen – und das wird wohl auch für die kommenden Jahre gelten. Vielleicht sogar noch mehr. Denn neben der menschengemachten Erderwärmung gibt es auch natürliche Temperatur-Phänomene, die für klimatische Schwankungen sorgen.

Gegenspieler: La Niña und El Niño

Es gibt zwei Phänomene, die wie Gegenspieler funktionieren und sich alle paar Jahre abwechseln: La Niña und El Niño. Sie verändern im Pazifik jeweils die Meeresströmungen. Das beeinflusst, wo es auf der Welt wie viel regnet, wo es Dürren gibt und wie warm es wird.

Es gibt auch Jahre, in denen keins der beiden Wetterphänomene stattfindet. In den Jahren 2019 bis 2022 war La Niña aktiv und sorgte für kühlere Temperaturen – ohne La Niña wären die vergangenen Jahre wahrscheinlich noch heißer gewesen.

"Jetzt passiert im Pazifik das, was immer dann passiert, wenn El Niño beginnt – und läutet damit eine heißere Phase ein."
Ann-Kathrin Horn, Deutschlandfunk-Nova-Wissensreporterin

Viele Anzeichen deuten laut verschiedener Expert*innen darauf hin, dass El Niño beginnt oder bereits begonnen hat. Die US-Wetterbehörde hat den Beginn des Phänomens bereits verkündet. Auch die Weltwetterorganisation ist sich zu 90 Prozent sicher, dass El Niño auf dem Vormarsch ist.

"In Deutschland hat El Niño eher wenig Auswirkungen, das Risiko für Hitzewellen steigt ein bisschen. Aber weltweit steigt die Durchschnittstemperatur."
Ann-Kathrin Horn, Deutschlandfunk-Nova-Wissensreporterin

Die dadurch veränderten Meeresströmungen können in Amerika, Afrika und Zentralasien zu mehr Starkregen und Überschwemmungen führen. In Südasien und Australien könnte es dagegen kaum noch regnen, was Dürren zur Folge hätte. Diese Dürren haben dann noch weitere Konsequenzen: Hitzewellen, Brände, schlechtere Wasserqualität und Erdrutsche.

In Deutschland werden die Auswirkungen weniger deutlich zu spüren sein, doch die weltweite Durchschnittstemperatur wird steigen. Meist bleibt El Niño für ungefähr ein Jahr, aber es dauert eine gewisse Zeit, bis es sich in den Temperaturen niederschlägt.

Eines der heißesten Jahre könnte bevorstehen

Die Kombination von El Niño und der Klimaerwärmung könnte dazu führen, dass es in den kommenden fünf Jahren eins der wärmsten Jahre überhaupt geben wird. Ob das bereits im Jahr 2023 oder 2024 eintreten wird, lässt sich allerdings noch nicht bestimmen.

Deutschland arbeitet inzwischen an einem Hitzeschutzplan. Menschen sollen bei Hitzewellen gezielt gewarnt werden. Zusätzlich sollen in einem solchen Fall, etwa Klimaanlagen in Altenheimen aufgestellt werden und es sollen Infos bereitstehen, wo es öffentliche klimatisierte Gebäude gibt, welche Parks am kühlsten sind und wo es Trinkwasserspender gibt. Dafür soll es dann spezielle Stadtpläne geben. Für Karlsruhe existiert bereits ein solcher Plan.

  • Moderator: Markus Dichmann
  • Gesprächspartnerin: Ann-Kathrin Horn, Deutschlandfunk-Nova-Wissensreporterin