Gut zweieinhalb Jahre nach der Übernahme von Whatsapp bekommt Facebook nun offiziell Zugriff auf die gesammelten Kontaktdaten des Messengers. Dafür müssen die User allerdings vorher dem Datentransfer zustimmen. Darüber wird nun heftig debattiert.

Es gibt Möglichkeiten, den Informationsfluss von Whatsapp zu Facebook ein wenig zu begrenzen, erklärt DRadio-Wissen-Reporter Andreas Noll. Daher ist derzeit das Netz mit Ratschlägen voll, wie das gehen soll. Im Grunde ist das kein großer Akt: Jeder Whatsapp-Kunde erhält in diesen Tagen die Info über eine neue Datenschutzerklärung.

Die Zustimmung könnt ihr entweder nach hinten verschieben, ganz verweigern (dann könnt ihr Whatsapp aber auch nicht mehr nutzen) oder ihr entfernt am Ende des Textes ein Häkchen. Dann werden die Account-Infos nicht mehr zur "Verbesserung der Facebookwerbung" genutzt. Wer schon reflexartig zugestimmt hat, kann innerhalb von 30 Tagen die Datenweitergabe widerrufen. Das geht über den Reiter "Account" in den Einstellungen der App.

"Die Gratisphase bei Whatsapp - keine Jahresgebühr, keine Datenweitergabe - war, man muss es so sagen, nur ein Lockmittel, um Platzhirsch in diesem Geschäft zu werden."
Andreas Noll, DRadio Wissen

Das Problem: Fein raus seid ihr mit diesem Widerspruch noch nicht. Und das kritisieren gerade viele Datenschutzaktivisten. Ihr verhindert nicht den Datentransfer an Facebook, aber die Daten sollen bei Widerspruch nur zu Bekämpfung von Spam oder Missbrauch benutzt werden und nicht für die Personalisierung der Werbung oder für die Vorschläge von Freunden bei Facebook.

Die Telefonnummer und Daten zur Nutzung werden aber in jedem Fall mit Facebook und Instagram geteilt. Dritte erhalten die Daten angeblich nicht.

Kurz zusammengefasst: Wer Whatsapp weiter nutzen will, hat eigentlich keine Wahl. Es gibt im Netz nichts geschenkt. Schon gar nicht von großen IT-Unternehmen. Und diese vergangenen zweieinhalb Jahre, waren schon etwas absurd: Whatsapp wurde kostenlos und hat sich verpflichtet, die Daten nicht an den Mutterkonzern weiterzugeben. Wer eins und eins zusammenzählen konnte, musste aber wissen, dass das kein Dauerzustand sein kann.

"Der Datenkapitalismus siegt", schreibt dazu heise.de in einem Kommentar. Die Gratisphase (keine Jahresgebühr, keine Datenweitergabe) war eben nur ein Lockmittel, um Platzhirsch in diesem Geschäft zu werden.

Mehr Freunde bei Telegram und Threema

Wer nicht mit seinen Daten bezahlen will, hat tatsächlich ein Problem, wenn er diese Kommunikationsform schätzt. Denn im Netz haben die Monopolisten das Sagen. Facebook ist der große Platzhirsch bei den Sozialen Netzwerken, Whatsapp bei den Messenger-Systemen. Es gibt natürlich Alternativen, die zurückhaltender mit unseren Daten umgehen und für die ihr, wie zum Beispiel bei Threema, eine App-Gebühr zahlen müsst. Aber im Zweifel findet ihr dort nur wenig Freunde, mit denen ihr chatten wollt.

Andreas Noll hat beobachtet, dass auf einmal bei Telegram und Threema mehr Bekannte aufgetaucht sind. Aber es bleibt eben noch eine Minderheit. Seine nicht besonders mutige Prognose: Wir akzeptieren auch diesen Datenhandel bei Whatsapp und werden auf der Plattform weitermachen.