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Frances Haugen war mal Produktmanagerin bei Facebook. Dann entschied sie sich, gegen den Tech-Konzern auszupacken. Das könnte für Facebook zum echten Problem werden. Auch weil sich die Stimmung im politischen Washington geändert hat.

In der Nacht zum Montag (4. Oktober) hatte die Whistleblowerin Frances Haugen ihren ersten öffentlichen Auftritt im US-amerikanischen Sender CBS. Auch deutschen Medien gab sie mittlerweile ein Interview.

Die 37-jährige Frances Haugen hatte zunächst interne Dokumente an das Wall Street Journal weitergegeben, und die Zeitung hatte eine Artikelserie veröffentlicht. Wir haben dazu berichtet. Unter anderem ging es darum, dass Facebook durch interne Forschung sehr wohl darüber informiert war, dass Instagram einen schädlichen Einfluss hat – speziell auf junge Nutzerinnen. Facebook hatte das immer wieder bestritten.

Whistleblowerin bei Facebook

Es ist nicht der erste Skandal um Facebook. Aber die Enthüllungen der Ex-Mitarbeiterin haben Sprengkraft, findet unsere Netzreporterin Martina Schulte. Sie könnten die Stimmung im politischen Washington endgültig zu Ungunsten von Facebook kippen lassen.

"Die Enthüllungen von Frances Haugen könnten der berühmte Tropfen auf den heißen Stein sein."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Frances Haugen handelte aus Frust, so Martina. "Und aus dem Gefühl, dass Facebook zu wenig tut." Zu ihren Aufgaben als Produktmanagerin hatte Haugen unter anderem Manipulationsversuche bei Wahlen bekämpfen sollen. Ihr Team habe aber zu wenig Ressourcen gehabt, um wirklich etwas zu bewirken. Auch kritisiert sie, dass der Konzern die Gefahren, die von seinen Plattform ausgehen, zu wenig nach außen kommuniziere. Stattdessen verstecke Facebook bewusst Erkenntnisse vor der Öffentlichkeit.

Zu dieser Erkenntnis gehört, dass der Konzern unmittelbar nach der US-Präsidentschaftswahl 2020 seine Sicherheitsmaßnahmen zu früh gelockert habe. Das habe gewaltbereiten Trump-Fans geholfen, sich via Facebook bei der rechtswidrigen Erstürmung des Kapitols zu organisieren. "Facebooks hat die Vorwürfe gegenüber dem TV-Sender CNN zurückgewiesen", sagt Martina.

Die politische Stimmung hat sich gegen Facebook gedreht

Die Enthüllungen durch Frances Haugen könnten diesmal für Facebook auch kritisch werden, denn im politischen Washington hat sich die Stimmung gedreht. Kongressabgeordnete wollen sich nicht mehr nur beschwichtigen lassen von Facebook und anderen Tech-Firmen.

"US-Kongressabgeordnete beider politischer Parteien bezeichnen Facebook und andere Tech-Firmen inzwischen als die 'Tabakkonzerne des Digitalzeitalters'."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Auch fühlen sich einzelne Politikerinnen und Politiker sowohl der Demokraten als auch der Republikaner von Facebook-Chef Mark Zuckerberg persönlich getäuscht, so Martina. Sie hatten Mark Zuckerberg vor kurzem befragt, welche Auswirkungen Instagram und Facebook auf die mentale Gesundheit von Kindern hat. Seine Antwort war, dass es dazu keine aussagekräftigen Forschungsdaten gäbe. Doch die Dokumente von Frances Haugen belegen das Gegenteil.

Sie hat mittlerweile auch eine formale Beschwerde bei den Strafverfolgungsbehörden gegen Facebook eingelegt. Und sie wird heute (5. Oktober) vor dem US-Kongress bei einer Anhörung aussagen.