Die Emotionsskala ist breit gefächert: Die einen freuen sich riesig, dass die Maskenpflicht nun an vielen Orten wegfällt, die anderen zweifeln oder haben Ängste, ohne Maske unterwegs zu sein. Psychologin Laura Klimecki sagt: Über Gefühle lässt sich nicht verhandeln. Letztlich gehe es darum, dass jeder für sich einen Umgang mit der Situation findet.

Es kommt ein bisschen auf den Typ an, wie wir mit der neuen Situation umgehen, dass nun im April viele Coronaregeln auslaufen, meint Psychologin Laura Klimecki: Sind wir eher freiheitsliebend oder mehr auf Sicherheit gepolt.

"Erstmal müssen wir die Situation, wie sie ist, akzeptieren. Das ist halt so, dass es da zwei verschiedene Lager geben wird: Die, die vorsichtiger sind und die, die freiheitsliebender sind."
Laura Klimecki, Psychologin

Den einen fällt es leichter, die Maske nun beim Einkaufen in der Tasche zu lassen, wieder Essen oder ausgelassen Feiern zu gehen. Andere hegen Zweifel oder sie trauen sich diesen Schritt einfach noch nicht zu.

Angst entsteht durch die Interpretation einer Situation

Wir müssen uns in solchen Situationen klar machen, meint die Psychologin, dass unsere Angst nie durch die Situation selbst entsteht, sondern durch unsere Interpretation der Situation.

Und sie nennt ein Beispiel: Wenn wir in einer Disko tanzen und jemand neben und niest, dann hätten wir uns vor drei Jahren vermutlich nicht viel dabei gedacht, doch die Pandemie hat unsere Interpretation der Situation verändert.

"In der Psychologie gehen wir davon aus, dass es etwa zwei Monate dauert, bis wir ein verändertes Verhalten als normal wahrnehmen, dass es also zur Gewohnheit wird."
Laura Klimecki, Psychologin

Mit denjenigen, die noch nicht soweit sind, sollten wir rücksichtsvoll umgehen, sagt Laura Klimecki. Denn über Gefühle könne man nicht verhandeln: "Da geht es nicht um Fakten, sondern um unterschiedliche Bedürfnisse."

Darum sei es zwar gut, mit Freunden oder dem Partner zu sprechen, wenn man die Dinge anders sieht. Man sollte aber die Gefühle des anderen akzeptieren und dafür sorgen, dass sich alle wohlfühlen - auch wenn das Zeit braucht.

"Wie man sich fühlt, darüber kann man nicht diskutieren."
Laura Klimecki, Psychologin

Einen ganz besonderen Blick auf die Situation haben jedoch Menschen, die der Wegfall der Maskenpflicht ganz persönlich betrifft, zum Beispiel, weil sie eine Vorerkrankung haben, die das Risiko eines schweren Verlaufs bei Ansteckung mit dem Coronavirus erhöht – oder weil sie sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können.

Lia fühlt sich von der Politik allein gelassen

Lia ist 24 Jahre alt und an Multipler Sklerose (MS) erkrankt. Vor fast zwei Jahren hat sie ihre Diagnose bekommen. Über die Covid-Zeit damit fertigzuwerden war schwierig, sagt sie, weil Vieles durch die Pandemie eingeschränkt war. Seit ihrer Diagnose war sie fünf mal im Krankenhaus, ihre Symptome reichten von Schluckbeschwerden über Müdigkeit bis hin zu Empfindungsstörungen.

Lia, ist an Multipler Sklerose erkrankt
"Logischerweise habe ich sofort angefangen, die Maske zu tragen. Und meine Kontakte habe ich konsequent eingeschränkt. Ich kann gar nicht sagen, wie selten ich Freunde in den letzten zwei Jahren gesehen habe.

Zu Beginn der Pandemie konnte sie das alles noch gut wegschieben, erzählt Lia. Doch durch die Therapie wird ihr Immunsystem unterdrückt und sie weiß nicht, wie ihr Körper reagieren würde, sollte sie sich mit Corona infizieren.

In Sachsen-Anhalt, wo Lia lebt, fallen nun wie in vielen anderen Bundesländern die meisten Corona-Maßnahmen weg. Damit gehe es ihr "gar nicht gut", sagt sie: "Das ist eben das letzte Mittel gewesen, das Leute in meiner Situation noch geschützt hat."

"Du bist ja als kranker Mensch überall. Du bist ja nicht nur beim Arzt sondern auch an sonstigen Orten."
Lia, ist an Multipler Sklerose erkrankt

Man sehe es ihr von außen nicht an, dass sie erkrankt sei und ihr Immunsystem nicht richtig funktioniert, so Lia. "Ich fühle mich da von der Politik ziemlich alleine gelassen und auch vergessen", meint sie. Um vulnerable Gruppen zu schützen, müssten alle mitmachen. Bei vielen sei langsam die Luft raus – doch für betroffene Menschen wie Lia spielt das keine Rolle. Sie müssen weiter darauf achten, sich nicht anzustecken.

"Es wäre schön, wenn die Maskenpflicht geblieben wäre."
Lia, ist an Multipler Sklerose erkrankt