Für den Versuch an sich kann man DC und Warner Bros. ja gar nicht mal mangelnde Kreativität vorwerfen: Nach all den unzähligen Superheldenfilmen der vergangenen Jahre soll jetzt eine Superbösewichtetruppe für Abwechslung und Erfrischung sorgen. Neue Figuren, allesamt Antihelden, soweit, so sinnvoll. Das Problem: Auch Bösewichte brauchen eine Story.

Klangvolle, aber zumeist noch eher unbekannte Comicfiguren wie Deadshot (Will Smith), Enchantress (Cara Delevingne), Diablo (Jay Hernandez), Captain Boomerang (Jai Courtney) oder Harley Quinn (Margot Robbie) sollen locken und Neugierde wecken, dazu Mega-Star Jared Leto als neueste Version des legendären Jokers. Diesen Teil der Aufgabe haben die Macher bewältigt, alle Schauspieler schaffen es, ihre Charaktere glaubwürdig als lebendig gewordene Comicfiguren auf die Leinwand zu übertragen. Allen voran Jared Leto, der in große Heath-Ledger-Fußstapfen treten musste und diese Aufgabe mit Bravour und einem neuen, ganz eigenen, gruseligen Psycho-Joker löst. Überzeugend die Darsteller in ihren Rollen - allein der Story gelingt das nicht.

Super-Bösewichte, die aus den tiefsten Hochsicherheitskerkern Gothams geholt werden, um gezwungen von der Regierung für das Gute zu kämpfen? Alle mit einer in den Hals injizierten Miniaturbombe, die bei Ungehorsam gezündet wird? Och bitte... Und gegen wen soll überhaupt angetreten werden? Es gibt zu Beginn des Films keinen Anlass für ein derartiges Himmelfahrtskommando. Vage stützt sich der Film auf die These, dass man sich ja seit deren letztem Aufeinandertreffen vielleicht gar nicht mehr wirklich auf Superman oder Batman verlassen könne und dann holt man als Alternative einfach Killer und Psychopathen als Heldenersatz??

Wir werfen einen ausgiebigen Blick auf die Superhelden-Bösewichte-Situation in Hollywood mit der Frage, ob sich der ganze Franchise-Irrsinn bis zu seinem angedachten Finale 2019 nicht selbst ad absurdum führt. Und wir sprechen mit den Darstellern, Jared Leto, Cara Delevigne, Margot Robbie, Will Smith und Regisseur David Ayer haben wir zu Interviews in London getroffen.

Außerdem neu im Kino diese Woche: "Captain Fantastic" eine absurd-düstere Groteske, vorgestellt auf den diesjährigen Filmfestspielen in Cannes. Viggo Mortensen spielt darin den Aussteiger Ben, der mit seiner Familie tief in den Wäldern Nordamerikas lebt und seine Kinder unter anderem lehrt, dass Cola "vergiftetes Wasser" ist. Gesellschaftskritik mal anders: sehr sehenswert.