Es war eine der größten Demonstrationen der vergangenen Jahre - der Protest gegen TTIP am Wochenende in Berlin. Aber wie viele Teilnehmer waren wirklich da? Die Angaben gehen auseinander. Können die nicht rechnen? Oder was ist da los?

Die meisten von uns haben ja schon Probleme, wenn sie schätzen sollen, wie viele Leute auf einer Hausparty abhängen. Es ist also naheliegend, dass man bei riesigen Menschaufläufen wie bei der Anti-TTIP-Demo vom Wochenende kräftig danebenliegen kann. Auch wir wurden bei Facebook gefragt, warum wir von 150.000 Teilnehmern gesprochen haben und nicht von 250.000, die der Veranstalter gezählt haben will. Die Redaktion von DRadio Wissen hat sich für die Formulierung "mindestens 150.000" entschieden. Diese Zahl stammt von der Polizei - und wir können weder ausschließen noch bestätigen, dass es mehr waren.

"Die Zahlen der Polizei sind nur grobe Schätzungen – und das sagt sie auch, wenn sie solche Zahlen herausgibt."
Sebastian Sonntag

Grundsätzlich gilt: Bei Demonstrationen gibt es keine Eintrittskarten - wie viele Menschen mitlaufen, muss also geschätzt werden. Dazu gibt es verschiedene Methoden. Bei einem Umzug hat die Polizei zum Beispiel immer einige Beamte, die so positioniert sind, dass der ganze Zug an ihnen vorbeizieht. Da die aber nicht alle Menschen zählen können, überschlagen sie, wie viele Leute ungefähr in einer Reihe sind und wie viele Reihen an ihnen vorbeiziehen.

Bei Kundgebungen an einem Ort, wird eine Durchschnittszahl von Leuten pro Quadratmeter überschlagen und dann hochgerechnet auf die ganze Fläche. Ähnlich dürften das auch die Veranstalter von Demos machen. All das sind aber nur grobe Schätzungen. Und das sagt die Polizei auch so, wenn sie solche Zahlen raus gibt.

Keine Einstrittskarten bei Demonstrationen

Dass es häufiger zu Unterschieden zwischen den Zahlen von Veranstaltern und der Polizei kommt, erklärt die Polizei selbst damit, dass sie mehr Erfahrung habe und Veranstalter vielleicht auch mal ein bisschen aufrundeten, weil es besser klinge, wenn mehr Leute da waren.

Das heißt aber nicht, dass ihr euch auf die Zahlen der Polizei eher verlassen solltet. Anfang des Jahres haben Soziologen Teilnehmerzahlen von Pegida-Demos untersucht. Das Forscher-Team war mit knapp 30 Leuten auf verschiedenen Demos unterwegs und hat die Leute wirklich gezählt. Ihr Ergebnis: Bei einer Demo in Dresden haben sie 18.000 Leute gezählt. Die Polizei hatte aber 25.000 geschätzt. Und bei einer Demo in Leipzig ist die Polizei von 4000 Demonstranten ausgegangen. Die Forscher kamen aber nur 2000. In beiden Fällen hat die Polizei also die Teilnehmerzahl deutlich höher geschätzt.

Und was ist jetzt mit der TTIP-Demo in Berlin? Unser Autor Sebastian Sonntag war da. Eine exakte Zahl kann er auch nicht liefern. Was er aber gesehen hat: Auf der einen Seite hatten sich schon Menschen an der Siegessäule versammelt, wo die Abschlusskundgebung stattgefunden hat, während auf der anderen Seite am Hauptbahnhof nicht mal alle losgegangen waren. Oder kurz zusammengefasst: Es war sehr voll.