Windkraftanlagen gibt es nur als Windräder? Nee, auch ein Haus kann eine Windkraftanlage sein. In Rotterdam beginnen bald die Bauarbeiten für ein rundes Hochhaus, das ein Loch in der Mitte hat. Weht Wind durch das Zentrum, erzeugt das Haus Strom.

Es sieht aus wie ein überdimensionaler Donut, der aufrecht steht: das Dutch Windwheel in Rotterdam. Auf einer Plattform, umgeben von Wasser im Hafen der Stadt, soll das runde Hochhaus mit einem Loch in der Mitte einmal stehen – und Platz für Wohnungen, ein Hotel und eine Skybar bieten.

Den Strom für die Bewohner*innen und Besucher*innen produziert das Hochhaus selbst – dafür ist das Loch da. Zusammen mit seinem Zentrum bildet das Donut-Haus eine Windkraftanlage. Strömt Wind durch seine Mitte, erzeugt es Strom.

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Windkraftanlage mal anders

Anders als die Windräder mit ihren Rotoren, die wir als Windkraftanlage kennen, generiert das Hochhaus in Rotterdam – vereinfacht erklärt – mithilfe von Wasser seine Energie. Dafür befinden sich im Loch horizontal gespannte Drähte, die mit Elektroden versehen sind. Wenn der Wind dort durch strömt, weht er die positiv geladenen Wasserteilchen weg. Die übrig bleibende negative Ladung kann als Strom genutzt werden.

Pilot auf Campus der Uni Delft

Das Prinzip haben Forschende der Technischen Universität Delft in den Niederlanden vor einigen Jahren entwickelt. Seit 2013 steht auf dem Campus der Uni eine Pilotanlage. Sie zeigt, dass die Technologie grundsätzlich funktioniert. "Der Wirkungsgrad ist aber bei Weitem nicht so gut, wie der von den herkömmlichen Windrädern mit den drei Flügeln", erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Konstantin Köhler.

Für Anwendung im großen Stil noch ausbaufähig

In dem geringen Wirkungsgrad sieht der Netzreporter auch einen entscheidenden Nachteil dieser Technologie – zumindest bisher. Sollten Unternehmen und Forschende die Windkraftanlage in Zukunft ausbauen, sodass sie marktfähig ist, könnte sie auch in Städten aufgebaut werden, sagt Konstantin.

"Im Prinzip besteht die komplette Anlage nur aus einem Loch mit einem Rahmen drum herum, quasi eine Art Tennisschläger, aber in jeder erdenklichen Größe." Diese Art Windkraftanlage wäre eine kompakte Alternative zu Windrädern. Bei ihnen gilt nämlich: Je größer, desto effizienter – was sie wiederum unflexibel macht.

"Bei Windkraftanlagen denken wir natürlich sofort an die Windräder, die wir kennen, die mit den drei Flügeln. Mitten in der Stadt sind die aber undenkbar. Diese Windkraftanlage kommt ohne bewegliche Teile aus."
Konstantin Köhler, Deutschlandfunk Nova

Das Donut-Haus in Rotterdam ist daher in erster Linie ein Modellprojekt, bei dem es darum geht, auszuprobieren, wie große Mehrfamilienhäuser zeitgemäß und einigermaßen unabhängig mit Energie versorgt werden können. Neben der Windkraftanlage soll das Donut-Haus auch Solarmodule bekommen, das Regenwasser einsammeln und den Abfall über eine eigene Biogasanlage verwerten.

Mit seinem futuristischen Design zieht das Donut-Haus auch Aufmerksamkeit auf sich, dient also als ein Wahrzeichen für den Hafen von Rotterdam. Ab 2022 soll der Bau beginnen. Das Haus soll frühestens 2025 fertig gestellt werden.

"Ich bin mir sicher, dass wir in Zukunft weitere Windkraftanlagen sehen werden, die ganz anders aussehen als die bisherigen mit den drei Flügeln."
Konstantin Köhler, Deutschlandfunk Nova
  • Kurz und Heute
  • Moderatorin:  Jenni Gärtner
  • Gesprächspartner:  Konstantin Köhler, Deutschlandfunk Nova