Ohne Ausbau der Windenergie keine Energiewende, sagt der Wissenschaftler Volker Quaschning. Die Idee eines Windbürgergelds begrüßt er. Die Abstände zu Häusern sind ihm groß genug.

Die SPD strebt die Einführung eines Windbürgergeldes an, um den Widerstand gegen Windräder vor der eigenen Haustür zu überwinden. Bürgerinnen und Bürger, die Windkraftanlagen in ihrer Nachbarschaft akzeptierten und damit den Ausbau der erneuerbaren Energien ermöglichten, sollten finanziell belohnt werden, sagte Matthias Miersch (SPD). Eine Einigung darauf will Miersch noch im ersten Quartal 2020 erreichen.

Widerstand gegen das Unbekannte

Volker Quaschning lehrt Regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin und ist Mitinitiator der Scientists for Future. Er meint, die SPD habe nun also verstanden, dass die Windenergie Motor der Energiewende sein müsse. Er weist darauf hin, dass der Windenergieausbau in Deutschland regelrecht eingebrochen ist.

"Am meisten Widerstände hat man dort, wo eigentlich kaum Windräder sind. Man ist gegen das Unbekannte. Man will es einfach prinzipiell nicht."

Der Widerstand gegen Windkraftwerke sei dort besonders stark, wo kaum welche stehen. Er richte sich gegen das Unbekannte. Durch Beteiligungen könne nun bei Anwohnerinnen und Anwohnern das Gefühl entstehen, berücksichtigt zu werden.

Bruttostromerzeugung aus Windkraft in Deutschland in den Jahren 1998 bis 2019 in Terawattstunden
© statista
Bruttostromerzeugung aus Windkraft in Deutschland in den Jahren 1998 bis 2019 in Terawattstunden

Knapp 43 Prozent des Stromverbrauchs in Deutschland sind 2019 aus erneuerbaren Quellen gedeckt worden - nach vorläufiger Schätzung. Mehr als die Hälfte davon hat 2019 die Windenergie beigetreten. Der weitere Ausbau stockt jedoch. Genehmigungsverfahren ziehen sich in die Länge, Flächen für Windenergieanlagen werden verknappt - auch durch Abstandsregelungen und Anwohner, die sich gegen den Bau neuer Windrädern stellen.

"Es gibt Abstandsregeln. Nach geltendem Recht muss ich schon 700, 800 Meter einhalten. Die Diskussion um 1000, 1500 Meter ist sinnlos."

Die CDU plant eher noch größere Abstände zu Gebäuden, innerhalb der Partei wird darüber gestritten. Das werde bei der Energiewende nicht helfen, sagt Volker Quaschning. Er weist darauf hin, dass das Umweltbundesamt davor warnt, diese großen Abstände von Wohngebäuden zu wählen, weil Flächen, die für die Energiewende nötig sind, dann wegfallen. Der Grund: Deutschland ist relativ dicht besiedelt. Größere Abstände von Gebäuden können außerdem dazu führen, dass gealterte, bereits bestehende Windkraftanlagen nicht ersetzt werden können.

Energiewende und Kohleausstieg werden seiner Ansicht nach außerdem durch längere Planungszeiten bei Windkraftanlagen gefährdet.

"Es gibt Windparkprojekte, die Planungszeiten von acht oder zehn Jahren haben."

Und die Alternativen? Was mit Wasserkraft und Biomasse erreicht werden könne, sei ganz nett, aber andere Energieträger könnten die Windkraft nicht ersetzen.

"Wir wissen, dass die Windenergie 50 Prozent des Energieanteils decken muss, sonst werden wir hier in Deutschland nicht klimaneutral werden können."