Im Wirecard-Skandal bleibt die Suche nach Jan Marsalek erfolglos. Darum haben die Behörden jetzt eine weltweite Öffentlichkeitsfahndung herausgegeben. Was genau das heißt und wie die Polizei bei der Fahndung vorgeht, haben wir uns von einem Profiler erklären lassen.

Der Wirecard-Skandal erinnert an Filme, wie sie sonst in Hollywood produziert werden: Ein erfolgreiches, hippes Unternehmen, gehypt an der Börse. Dann der tiefe Fall: Bis zu 1,9 Milliarden Euro, die in den Bilanzen aufgeführt waren, hat es möglicherweise nie gegeben. Die Aktie stürzt ab, Milliarden Euro verpuffen im zweitgrößten Kurssturz der Dax-Geschichte.

Wo ist Jan Marsalek?

Mehrere Ex-Manager aus der Wirecard-Chefetage sitzen wegen Betrugsvorwürfen bereits in U-Haft. Gefahndet wird noch nach Jan Marsalek. Er ist untergetaucht. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft München eine weltweite Öffentlichkeitsfahndung nach ihm herausgegeben.

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Öffentlichkeitsfahndung heißt: Die Medien erhalten Informationen und Fotos von der gesuchten Person, die sie veröffentlichen dürfen, damit möglichst viele Menschen davon mitbekommen. Sind auch Tatverdächtige normalerweise vom Persönlichkeitsrecht geschützt, stehe das Persönlichkeitsrecht in diesem Fall hinter dem Interesse des Staates, die Straftat aufzuklären, sagt der Kriminalist und Profiler Axel Petermann.

"Das Recht auf die Persönlichkeit ist nicht so hoch zu bewerten wie der Anspruch des Staate, jemanden für seine Delikte zu belangen."
Axel Petermann, Kriminalist und Profiler

Neben Angaben zum äußeren Erscheinungsbild wurden auch zwei Fotos des Österreichers veröffentlicht, der mit Wiener Dialekt sprechen soll – eins mit Glatze und rasiert, sowie ein älteres, das ihn gebräunt und mit Vollbart zeigt. Die Ermittler vermuten, dass Marsalek derzeit so ähnlich aussehen dürfte, um nicht erkannt zu werden.

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Die Ermittler gehen davon aus, dass der Flüchtige irgendwo im Ausland untergetaucht ist. Deshalb haben sie ihn zur weltweiten Fahndung ausgeschrieben. Das heißt, die Person werde in den Fahndungscomputer eingespeist und mit etwas Glück bei Routinekontrollen im Verkehr oder am Flughafen geschnappt, so Axel Petermann.

Flucht womöglich vorbereitet

Auch wenn die Ermittler Zugriff auf die Kontodaten oder Handydaten von Marsalek haben, scheint er schon vor dem Haftbefehl gegen ihn untergetaucht zu sein. Möglicherweise hat er seine Flucht sogar vorbereitet.

"Er muss sich einen Raum schaffen, wo er sich verbergen kann. Das werden in der Regel Menschen sein, denen er vertraut, dass sie ihn nicht verraten."
Axel Petermann, Kriminalist und Profiler

Laut Axel Petermann würden die Ermittler auch Informationen über seine Hobbys, seine Vorlieben und seine Kontakte sammeln, um ihn aufzuspüren - womöglich befinde er sich bei Menschen, denen er vertraue, dass sie ihn nicht verraten, vermutet der Profiler.