Rund 65.000 Menschen sind in Chemnitz beim Konzert gegen Fremdenfeindlichkeit dabei. Auch unsere Reporterin Christina Wolf. Tim Mönch lebt als freier Journalist in Chemnitz. Wir reden mit ihm über den Alltag und die Stimmung in der Stadt.

Das Konzert am Montag (03.09.2018) stand unter dem Motto "Wir sind mehr". Es war ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit. Die Chemnitzer Band Kraftklub hatte die Idee zum Konzert. Auf der Bühne standen auch Die Toten Hosen oder auch Feine Sahne Fischfilet. Unsere Reporterin Christina Wolf war dabei.

Christina Wolf, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin
"Das Konzert in Chemnitz hat sich anders angefühlt. Das war keine reine Spaßveranstaltung."

In der vergangenen Woche war es in Chemnitz immer wieder zu Aufmärschen von Rechtsextremen gekommen. Migranten wurden gejagt. Es gab Gegendemonstrationen. Angefangen haben die Ausschreitungen nach dem gewaltsamen Tod eines 35-Jährigen. Er wurde am Rande eines Straßenfestes erstochen. Tatverdächtig sind ein Iraker und ein Syrer.

Die Stimmung in der Stadt ist angespannt

Die Ausschreitungen sind DAS Thema in Chemnitz, sagt Tim Mönch. Der freie Journalist lebt seit drei Jahren in der Stadt. Wenn man draußen unterwegs sei, erzählt er, schaue man sich die Leute in der Nähe genauer an und versuche, sie einzuordnen. "Die Leute beobachten sich kritisch."

"In Chemnitz drehen sich alle Gespräche um die Geschehnisse der letzten Woche."
Tim Mönch, lebt als freier Journalist in Chemnitz

Chemnitz habe seit Jahren ein Problem mit Rechtsextremismus, sagt Tim Mönch. Er hofft, dass es nun eine Diskussion darüber gibt.

"Ich hoffe, dass jetzt offen darüber geredet wird, dass es ein Problem mit Rechtsextremismus gibt. Und dass es nicht unter den Tisch gekehrt und verharmlost wird."
Tim Mönch, lebt als freie Journalist in Chemnitz

Die Demonstrationen rechter Gruppen seien extrem aggressiv gewesen, erzählt Tim Mönch. Sind keine Demonstrationen in der Stadt angemeldet, sei alles ruhig. Dennoch sei viel mehr Polizei unterwegs als üblich, so Tim Mönch. Die Stimmung sei angespannt.

Er weiß von Flüchtlingsfamilien, die ihre Kinder in den vergangenen Tagen aus Angst nicht in die Schule geschickt haben. Eltern bitten ihre Kinder, die Innenstadt zu meiden und lieber einen Umweg zur Schule zu nehmen, sagt Tim Mönch.