Das Bündnis #AlarmstufeRot macht auf die schwere Lage der Eventbranche in der Coronazeit aufmerksam. In Berlin gehen die Betroffenen heute zum zweiten Mal auf die Straße. Der Politik werfen sie vor, ihre Branche nicht ausreichend finanziell zu unterstützen.

Die Coronakrise trifft die Eventbranche hart. Tausende Musikerinnen und Musiker, Leute, die Konzerte und Partys veranstalten oder dort für Licht und Technik zuständig sind, haben große finanzielle Einbußen.

Um darauf aufmerksam zu machen, geht das Bündnis #AlarmstufeRot heute erneut auf die Straße. Bela B von den Ärzten gehört zu den Supportern: "Wir hoffen, dass wir die Politiker dazu kriegen, diese Riesenbranche mit 1,4 Millionen Menschen auch mal zu sehen und zu unterstützen", hat er in den ARD-Tagesthemen gesagt.

"Unsere Branche braucht künstliche Ernährung"

Wir brauchen dringend Geld, um weiter über die Runden zu kommen, sagt Christian Eichenberger, Geschäftsführer des Eventausstatters Partyrent. Mit Umsatzeinbrüchen von über 87 Prozent sei die Lage seiner Firma katastrophal.

"Die Lage unserer Unternehmensgruppe ist wahnsinnig dramatisch. Wir haben immer noch Umsatzeinbrüche von über 87 Prozent. Es ist unvorstellbar."
Christian Eichenberger, Geschäftsführer des Eventausstatters Partyrent

Die Verdienstausfälle seien jetzt schon seit acht Monaten zu beklagen. Die Kollateralschäden, die das in die Bilanzen der Unternehmen schlage, seien unvorstellbar.

Die Schutzmaßnahmen und Beschränkungen, die die Regierung beschließe, trage seine Branche ja alle mit, so Christian Eichenberger. Man könne solch einen wichtigen Wirtschaftszweig aber nicht in einer Art künstliches Koma versetzt, ohne ihm auf der anderen Seite die notwendige künstliche Ernährung zu verabreichen.

"94 Prozent der Branche können von den bisherigen Hilfen nicht leben"

Die Beschränkungen und Reglementierungen der aktuellen Hilfsprogramme seien so massiv, dass sie noch immer für 94 Prozent aller Betriebe, Einzelunternehmer und Soloselbstständigen der Eventbranche nicht ausreichten, um davon zu überleben. Deshalb haben die Betroffenen mehrere Wünsche bzw. Forderungen an die Politik:

  • die Deckelung der Finanzhilfen aufheben, also die Maximalbeträge
  • die Antragsberechtigungen vereinfachen, gerade für Soloselbständige und Einzelunternehmer
  • alle Kosten anerkennen
  • ein Unternehmerlohn für Soloselbstständige

Die Veranstaltungswirtschaft werde von der Coronakrise einfach besonders hart getroffen, sagt Christian Eichenberger. Deshalb brauche sie auch umfassendere Hilfen als vielleicht andere Branchen, in denen die Umsatzeinbrüche nicht so gravierend sind.

Sorgen in der kalten Jahreszeit noch größer

Natürlich hat sich die Eventbranche Gedanken über Alternativen gemacht. Und einige davon werden und wurden ja auch umgesetzt - etwa Online-Konzerte oder Freiluft-Veranstaltungen, bei denen man mit ausreichend Abstand auf seiner mitgebrachten Decke sitzen bleiben muss.

Der Sommer sei jetzt aber vorbei und entscheidend sei, wie die Betriebe jetzt in der kalten Jahreszeit überlebensfähig bleiben können. Da könne man sich über Konzepte aktuell keine Gedanken mehr machen. Wenn Weihnachtsmärkte abgesagt und Indoor-Konzerte verboten werden, werden die Probleme nämlich nicht kleiner. Seine Mitarbeiter und sehr viele Soloselbständige und Künstlerinnen machten sich riesige Sorgen, sagt Christian Eichenberger.

"Dass die Regierung keine Verantwortung übernimmt, ist für uns unerträglich."
Christian Eichenberger, Geschäftsführer des Eventausstatters Partyrent

Bisher habe die Regierung noch keine Vorschläge oder Lösungsansätze in Aussicht gestellt. Deswegen sei die Lage auch so verzweifelt. Seine Branche hätte sehr viel dafür getan, um die Probleme deutlich zu machen. Dass die Regierung hier keine Verantwortung übernehme, sei unerträglich.