Eva wollte herausfinden, wie Vertrauen funktioniert. Also hat sie sich auf die Reise gemacht und 350 Menschen zum Gespräch gebeten.

"In Vietnam ist es respektlos, nach dem Alter zu fragen", sagt Eva Schulte-Austum. "Das gehört sich nicht." Die Wirtschaftspsychologin hat neun Länder bereist, mit Wirtschafts-Bossen, Forschern und ganz normalen Menschen über ihr Herzens-Thema gesprochen: Vertrauen. Dafür hat sie sich mit unterschiedlichen Kulturen, Umgangsformen und Vertrauens-Konzepten auseinandersetzen müssen. Was in dem einen Land als besonders vertrauensbildend empfunden wird, kann in einem anderen Land ein Vertrauens-No-Go sein.

In Skandinavien zum Beispiel setzen sich alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eines Unternehmens zur Frühstückspause zusammen, Chefin genauso wie Reinigungskraft. Dabei wird auf Augenhöhe geredet. In der Schweiz wiederum fragt man nicht nach so privaten Sachen wie dem jüngsten Urlaub, sondern ist eher verschwiegen. Ein bisschen Klischee ist zwar dabei, aber eben auch viel Wahres.

"Jeder, der vertraut, kann verletzt werden. Aber wer nicht vertraut, verletzt sich selbst."
Wirtschaftspsychologin Eva Schulte-Austum

All diese Erfahrungen und Erkenntnisse sind für Eva wichtig, um ein tieferes Verständnis von dem zu gewinnen, was wir normalerweise mit dem Begriff Vertrauen bezeichnen. Eva definiert dabei Vertrauen so: "Ich teile etwas mit jemanden, ich gebe Verantwortung und Kontrolle ab, und ich gehe davon aus, dass der andere es nicht gegen mich verwendet."

Dabei plädiert Eva nicht für blindes, sondern für bedachtes Vertrauen. So sucht sie etwa im Verhalten anderer Personen nach Anzeichen dafür, dass diese vertrauenswürdig sind. Dazu gehören zum Beispiel, dass jemand nicht schlecht über andere reden. Außerdem ehrlich ist und integer, also seinen Worten auch Taten folgen lässt.

In Eine Stunde Talk erzählt Eva, was sie am Vertrauen fasziniert, was ein Vertrauens-Vorschuss ist und warum sie in Kanada nicht die Zeche geprellt hat.