Das Steinmarderpärchen William und Kate lebt in einem Gehege im Otterzentrum in Hankensbüttel in Niedersachsen. Dort sind sie im Dienst der Forschung unterwegs. Die Wissenschaftler wollen mit ihrer Hilfe rausfinden, welche Kabel den Mardern am besten schmecken. Das Ziel: Marderschäden an Autos künftig vermeiden.

Die beiden Steimarder Kate und William sitzen am 25.08.2017 im Otterzentrum Hankensbüttel (Niedersachsen) in einem Gehege. Foto: Philipp Schulze/dpa
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Steinmarder Kate und William sind Forscher in Sachen Autokabel.

Jedes Jahr sorgen Marder für Autoschäden in Höhe von 70 Millionen Euro, sagt der Wildbiologe Hans-Heinrich Krüger vom Otterzentrum. Denn Marder knabbern liebend gerne an Autokabeln herum. Sie halten sich gerne in Hohlräumen auf und besonders gerne unter Motorhauben - zum Schutz vor Fressfeinden. Um dorthin zu gelangen, fressen die Marder sich auch gerne mal durch diverse Kabel. Marder knabbern aber die Kabel aber auch aus anderen Gründen an:

  • Sie sind sehr intelligent und sehr neugierig. Sehen Marder etwas neues, dann beißen sie rein. Marder begreifen gewissermaßen mit ihren Zähnen.  
  • Marder haben ein festes Revierverhalten. Es leben immer ein Männchen und ein Weibchen zusammen. Jeder Konkurrent wird abgewehrt. Stand ein Auto lange in einer Werkstatt und ein anderer Marder war im Motorraum, riecht das der Marder, der sonst dort unterwegs ist. Er knabbert sich durchs Kabel und steigt wieder unter die Motorhaube.
"Und dann denkt sich der Marder: Oh, hier war ein Fremder in meinem Revier und steigt mit der entsprechenden Stimmung ein."
Wildbiologe Hans-Heinrich Krüger

Welche Kabelsorten Marder nicht mögen

Im Otterzentrum in Hankensbüttel sollen William und Kate jetzt verschiedene Kabel testen - geschmacklich. Die bekommen die Wissenschaftler rund um Hans-Heinrich Krüger direkt von der Automobil- und Zuliefererindustrie. Denn er soll mithilfe der Otter rausfinden, welche Kabel den Tieren am besten schmecken und welche ihnen nicht schmecken. 

Marder liefern wichtige Informationen für die Autoindustrie

Damit William und Kate auf die Kabel anspringen, befestigen die Wissenschaftler sie in Bogenform in deren Gehege. Meistens ignorieren die Tiere die Kabel ein paar Tage. Dann siegt aber meist die Neugier und die Marder beißen rein. Abhängig vom Material der Kabel seien dann massive Beißspuren oder eben auch gar keine Beißspuren an den Kabeln erkennbar. 

Diese Ergebnisse teilt Hans-Heinrich Krüger dann der Autoindustrie mit. Und zur Beruhigung: Ungesund ist die ganze Sache für die Marder nicht, sagt Hans-Heinrich Krüger. Denn die Tiere fressen die Kabel nicht, sie beißen nur rein. 

Hintergrund

Seit mehreren Jahren forscht das Otterzentrum in diesem Bereich - denn Marder, die Autokabel anknabbern sind ein großes Problem. Die Ergebnisse sind zum Teil von der Autoindustrie schon umgesetzt worden. Eine Masterarbeit der Biologiestudentin Susann Parlow aus Braunschweig untersucht die Fragestellung jetzt aber systematischer. 

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